Nach der Klage aus den Vereinigten Staaten wird die Deutsche Bank jetzt auch von einer britischen Aufsichtsbehörde unter die Lupe genommen. Untersuchungen des Serious Fraud Office gestalten sich als schwierig.
Wien/Ag./Red. Die Deutsche Bank gerät ins Visier der britischen Aufsicht. Das Serious Fraud Office (SFO) untersucht, ob Kunden falsche Informationen erhielten, als sie von der Bank strukturierte Wertpapiere kauften. Eine formale Untersuchung ist noch nicht im Gange. Eine solche ist nach Angaben einer SFO-Sprecherin im Anschluss an die Ermittlungen aber nicht ausgeschlossen.
Die Untersuchungen gestalten sich schwierig, sagt SFO-Direktor Richard Alderman. Der Grund: Die Behörde müsste den Banken nachweisen, dass sie absichtlich betrogen haben. Von der Untersuchung sollen nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch andere Institute wie Goldman Sachs betroffen sein. Erst vergangene Woche wurde die Deutsche Bank neben anderen Geldhäusern mit einer Klage aus den Vereinigten Staaten konfrontiert.
Ackermann kritisiert IWF
Den Kreditinstituten wird von der US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency vorgeworfen, die Sicherheit der von ihnen vertriebenen und gebündelten Hypothekenpapiere falsch dargestellt zu haben. Es sollen Schäden von rund 200 Mrd. Dollar geltend gemacht werden.
Allein auf die Deutsche Bank entfallen dabei mehr als 14 Mrd. Dollar. Die Deutsche Bank nehme die Vorwürfe aus den USA ernst, wie Vorstand Josef Ackermann sagte. „Wir setzen uns aber dort zur Wehr, wo wir gute Gründe haben. Die sollen uns beweisen, dass Betrug im Spiel ist.“
Ein Rückzug aus den USA kommt für Ackermann nicht in Frage. Der Banker spricht sich weiters für einen Schulterschluss der betroffenen Geldhäuser in Form engerer Zusammenarbeit aus.
Wenig hilfreich sei laut Ackermann eine Zwangskapitalisierung einiger Bankinstitute, wie sie die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde kürzlich forderte. Der IWF hatte jüngst gewarnt, dass den europäischen Banken 200 Mrd. Euro fehlen würden, müssten die Institute ihre Euro-Staatsanleihen auf den Marktwert abschreiben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2011)