Schnellauswahl

Militärkooperation Israel–Türkei geht trotz Eiszeit weiter

(c) REUTERS (UMIT BEKTAS)

Israels Regierung behauptet, Militärattaché dürfe weiter in Ankara arbeiten. Am Mittwoch müssen alle israelischen Diplomaten mit einem höheren Rang als der eines Sekretärs zweiter Klasse die Türkei verlassen.

Istanbul/Keet. Die Türkei und Israel scheinen derzeit in einem trotzigen Kleinkrieg befangen. Am heutigen Mittwoch müssen alle israelischen Diplomaten mit einem höheren Rang als der eines Sekretärs zweiter Klasse die Türkei verlassen. Unlängst wurde auch eine israelische Touristengruppe einem Verhör unterzogen – eine Revanche für die gleiche Behandlung türkischer Touristen und Geschäftsleute in Israel.

Seit dem Tod von neun türkischen Aktivisten auf dem von der israelischen Marine gestürmten Schiff „Mavi Marmara“ scheint der Graben zwischen Israel und der Türkei immer tiefer zu werden. Es ist das Ende einer langen Phase, die man vielleicht nicht als wirkliche Freundschaft, aber doch als sehr gute Kooperation bezeichnen könnte.

 

„Türkei hat viel zu verlieren“

Die militärische Kooperation wurde hingegen, entgegen der Ankündigung des türkischen Außenministers Ahmet Davutoğlu vom vergangenen Freitag, nicht ganz eingestellt. Der Zuständige für politische Fragen im israelischen Verteidigungsministerium, Amos Gilad erklärte, der israelische Militärattaché in Ankara könne weiter arbeiten, die militärische Kooperation sei nicht eingestellt worden. „Die Türkei kann durch extremes Verhalten eine Menge verlieren“, fügte Gilad erklärend hinzu.

Das mag sehr wohl sein, insbesondere, wenn die Türkei die Konfrontation weiter hochfahren würde. Unbesonnene Schritte waren bisher weder die Art Davutoğlus noch seines Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan.

Andererseits hat man sich in der Konfrontation mit Israel an den Rand einer abschüssigen Bahn begeben, insbesondere durch Davutoğlus Formulierung, dass die Türkei alles unternehmen werde, um die Freiheit der Seefahrt im östlichen Mittelmeer zu gewährleisten. Was passiert etwa, wenn nun zum Beispiel Iran eine Hilfsflottille zum Durchbruch durch die Gaza-Blockade schickt?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2011)