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Türkisch? Warum nicht!

Ein gemischtsprachiges Gymnasium hat nichts mit Parallelgesellschaft zu tun.

 

Mehrsprachigkeit ist ein Vorteil im Berufsleben, darüber herrscht breiter Konsens – zumindest, solange nicht die türkische Sprache ins Spiel gebracht wird. Dann nämlich scheinen andere Regeln zu gelten. Sichtbar wird dies etwa an der Aufregung rund um den Plan eines gemischtsprachigen Gymnasiums in Tirol, das Türkisch als Muttersprache für türkischsprachige und als lebende Fremdsprache für nicht-türkischsprachige Schüler vorsieht. Schnell wurde die Parallelgesellschaftskarte gezogen und das Projekt sanft im Rundordner entsorgt.

Vor lauter Aufregung wird gar nicht weitergedacht. Dass etwa die Unterrichtssprache Deutsch ist. Dass muttersprachlicher Unterricht auch den Erwerb von Fremdsprachen erleichtert. Und schließlich, dass es derartige Modelle von Schulen längst gibt – nur spricht man im Zusammenhang mit dem Lycée Français oder dem tschechischen Gymnasium in Wien eben nicht von Parallelgesellschaften.

Selbst eine Privatschule mit türkischem Schwerpunkt gibt es bereits – das Phönix-Realgymnasium in Wien-Favoriten. Türkisch wird dort als Wahlfach angeboten, Unterrichtssprache ist Deutsch. Die Zweisprachigkeit soll aktiv gefördert werden. Und Mehrsprachigkeit ist, darüber herrscht ja ein breiter Konsens, ein Vorteil im Berufsleben. Auch, wenn die Zweitsprache Türkisch ist.

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2011)