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ÖFB-Krise: Constantini wird Teamchef auf Abruf

Didi CONSTANTINI
(c) APA/ROBERT JAEGER (Robert Jaeger)
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Dietmar Constantini soll Österreich noch gegen Aserbaidschan und Kasachstan betreuen – oder auch nicht. ÖFB-Präsident Leo Windtner sucht ab sofort einen Nachfolger.

[WIEN] Zu einer wirklichen Lösung konnte sich der Österreichische Fußballbund nach der endgültig verpassten EM-Teilnahme nicht durchringen. Fest steht nur, dass der Vertrag mit dem Teamchef nicht verlängert wird. Aber alles andere ist weitgehend offen. Damit ist der Abschied von Didi Constantini nicht endgültig. Denn der ÖFB-Präsident Leo Windtner hat den Tiroler ersucht, noch bis Jahresende zur Verfügung zu stehen. Zumindest die beiden ausstehenden Qualifikationsspiele in Aserbaidschan (7. Oktober) und Kasachstan (11. Oktober) soll Constantini noch begleiten.

Der Teamchef bleibt also vorerst im Amt. Zumindest für die nächsten Wochen. Präsident Leo Windtner aber begibt sich „ab sofort auf Teamchefsuche". Abschließen will man sie bis spätestens 18. November, das ist der Tag der Terminkonferenz für die kommende WM-Qualifikation. Drei Tage davor bestreitet Österreich ein Testspiel gegen die Ukraine, das sollte der neue Mann eigentlich schon auf der Bank erleben. Und sollte der Constantini-Nachfolger überhaupt mehr oder weniger über Nacht gefunden werden, dann ist die Ära des Tirolers sofort vorbei. Dann könnte er Aserbaidschan und Kasachstan bereits vor dem Fernseher verfolgen. Aber nichts Genaues weiß man nicht.
Didi Constantini sieht die Situation eher gelassen. „Ich nehme das so an", sagt er. „Nach mir kommt der Nächste, das ist ganz normal. Ich habe das irgendwie so erwartet, weil wir in der Qualifikation zu wenig Punkte gemacht und zu wenig Tore geschossen haben. So gesehen hält sich meine Enttäuschung in Grenzen."

„Keine Millionen verballern"

Präsident Leo Windtner ist dem Teamchef dankbar, dass er sich weiter zur Verfügung stellt, im Direktorium hat Constantini aber keine Mehrheit mehr erreicht. Gebildet wird dieses Gremium aus Hans Rinner (Bundesliga-Präsident), Johann Gartner (NÖ-Präsident), Sepp Geisler (Tirol), Willi Prechtl (OÖ) und Markus Kraetschmer (Austria).

Der ÖFB vertraut dem alten Teamchef, andererseits auch wieder nicht. Darin sieht Windtner natürlich keinen Widerspruch. „Das Verhältnis zu ihm ist intakt, es gibt keinen Bruch. Er hat auch noch immer einen Draht zur Mannschaft." Dies alles spreche für die Vertragseinhaltung mit Constantini. Und gegen eine Interimslösung. Wobei der aktuelle Teamchef jetzt auch ein Ablaufdatum hat. Er steht sozusagen auf Abruf bereit. Alles scheint möglich, eine Nichtberücksichtigung, aber auch weitere zwei Spiele auf der Trainerbank. Das Stammleiberl ist er los. „Aber es war eine schöne Zeit", so Constantini.

Was den neuen Teamchef betrifft, so ist Präsident Leo Windtner nach allen Seiten offen. „Wir werden auf Qualität schauen", sagt der Oberösterreicher. „Aber wir werden sicher nicht Millionen in einen prominenten Namen verballern." Eine Ablöse will man auch nicht unbedingt berappen, „Zusatzkosten sollte man sich gut überlegen." Das deutet eher auf einen derzeit vereinslosen Kandidaten hin. Deutschkenntnisse in einem Mindestmaß werden erwartet. „Windtner: „Es wird von uns keinen Schnellschuss geben!"

("Die Presse", Printausgabe vom 8. September 2011)