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Syrien unbeeindruckt von Öl-Sanktionen der EU

Syrias Finance Minister Mohammad al-Jleilati speaks ahead of a group meeting of Gulf and Arab Finans Finance Minister Mohammad al-Jleilati speaks ahead of a group meeting of Gulf and Arab Finan
(c) REUTERS (Jumana El-heloueh)
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Das Regime setzt die Gewalt gegen Demonstranten fort. Das Rohöl werde unterdessen an China oder Russland verkauft, sagt Syriens Außenminister. Vor den Sanktionen ging fast alles nach Europa.

Syrien hat sich unbeeindruckt von den Öl-Sanktionen der EU gezeigt und die Gewalt gegen Demonstranten fortgesetzt. Der syrische Finanzminister Mohammed al-Dshleilati sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Abu Dhabi, das Rohöl werde an Russland oder China verkauft oder in den eigenen Raffinerien verarbeitet. "Sonst werden wir es als Reserve halten", sagte Al-Dshleilati. Ob dies ein Zurückfahren der Produktion bedeuten würde oder eine Speicherung sagte er nicht. Das Militär ging nach Angaben von Aktivisten weiter gegen Demonstranten vor.

Vor der Verhängung der Sanktionen gingen 99 Prozent des syrischen Öls an Europa. Die EU will Präsident Bashar al-Assad mit einem Verbot dazu bringen, das gewalttätige Vorgehen gegen die Demonstranten einzustellen. Die Einfuhr von Treibstoff nach Syrien bleibt jedoch erlaubt, um nicht die Bevölkerung zu treffen. Der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge fördert Syrien 370.000 Barrel Öl pro Tag (bpd) im Monat. Davon werden etwa 150.000 bpd exportiert. Der Marktwert liegt bei etwa 16 Millionen Dollar pro Tag. Der US-Behörde EIA zufolge liegt die Kapazität der syrischen Raffinerien bei 240.000 bpd und ist damit zu niedrig, um die gesamte Förderung zu bewältigen.

Experten skeptisch über Syriens Pläne

Experten zeigten sich skeptisch, dass China oder Russland Interesse an syrischem Öl haben könnten. Ein Händler einer staatlichen chinesischen Öl-Gesellschaft sagte, die Exportmengen seien so klein, dass eine Lieferung nach China zu umständlich sein würde. Dies könne sich höchstens ändern, wenn der Preis drastisch gesenkt würde. Russland ist selbst der zweitgrößte Erdöl-Produzent der Welt. Zudem dürfte die Regierung in Moskau kein Interesse haben, die Beziehungen zu Europa oder den USA wegen dieser Frage zu belasten, sagte ein Mitarbeiter eines Handelsunternehmens in der russischen Hauptstadt.

Nach Berichten von Aktivisten veranstalteten syrische Sicherheitskräfte Razzien in der Stadt Homs und töteten dabei mindestens drei Zivilisten. "Soldaten mit Panzern sind mit Tagesanbruch in die Stadt gekommen. Sie haben begonnen, mit Maschinengewehren willkürlich auf Häuser in den Bezirken Bab Tadmur, Warscha und Bab Dreib zu schießen", heißt es in der Erklärung einer Union der Bewohner von Homs, die an Reuters geschickt wurde. Homs ist ein Zentrum der Proteste gegen al-Assad, die bereits seit sechs Monaten anhalten. Eine unabhängige Einschätzung der Lage in Syrien ist kaum möglich, da die Regierung alle ausländischen Journalisten des Landes verwiesen hat.

(Ag.)