Berufsheer: Darabos holt sich Tipps aus Deutschland

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Der Verteidigungsminister machte sich ein Bild in Deutschland, wie die Bundeswehr nach dem Ende der Wehrpflicht Nachwuchs wirbt. Interesse zeigte er an den Methoden der Nachbarn zur Nachwuchsrekrutierung.

Berlin. „Jemand, der einen Soldaten heiratet, macht nie eine schlechte Partie. Ein Soldat versteht es zu nähen, zu kochen und muss gesund sein. Und das Wichtigste: Er ist unbedingt daran gewöhnt zu gehorchen.“ Die deutsche Bundeswehr lässt sich allerhand einfallen, um Nachwuchs anzuwerben, wie dieses Plakat zeigt. Davon konnte sich Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) am Mittwoch bei seinem Berlin-Besuch überzeugen.

Punkt zwanzig nach Neun brauste der Minister gestern früh, begleitet von Polizisten auf Motorrädern, beim Zentrum Nachwuchsgewinnung OST der Bundeswehr in Grünau vor. Gerade hatte der strömende Regen aufgehört, sodass Darabos ungestört die mobilen Einsatzmittel der Bundeswehr besichtigen konnte, vom Kofferstand bis zum Infomobil. Kleine Österreich- und Deutschland-Fähnchen standen bereit, als sich der Minister ins Gästebuch eintrug.

Darabos sieht das deutsche Vorgehen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht am 1.Juli durchaus als Vorbild für Österreich, auch wenn man nur Anleihen nehmen wolle. Bereits ab Anfang 2012 plant er Pilotversuche zur Abschaffung der Wehrpflicht, was dem Koalitionspartner ÖVP nicht gefällt: „Ich glaube, dass wir mit einem Freiwilligen- und Profiheer die gleichen Aufgaben besser bewältigen als im bisherigen System. Wenn schon der Koalitionspartner nicht einlenkt, wollen wir mit einem Pilotprojekt zeigen, dass es möglich ist, eine freiwillige Berufsarmee zu etablieren.“

Umso mehr Interesse zeigte er an den Methoden der Nachbarn zur Nachwuchsrekrutierung: „Es wird in Deutschland sehr professionell daran gearbeitet, genügend Profis zum Heer zu bringen. Man kann sich sicher einiges abschauen.“

In Deutschland gibt es für die Personalgewinnung fünf Zentren wie das von Darabos besuchte, die Zeit- und Berufssoldaten anwerben. Ab kommendem Jahr werden sie auch für die freiwilligen Wehrdienst Leistenden zuständig sein, um die sich derzeit noch die Kreiswehrersatzämter kümmern. 400 Berater sind in 110 Wehrdienstberatungs- und 300 Außenberatungsbüros im Einsatz. Es sei essenziell, „in der Fläche präsent zu sein, in die Zielgruppe hineinzugehen und auf regionale Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen“, wurde von deutscher Seite betont. Immer stärker setzt die Bundeswehr auch auf das Internet (Facebook, Schüler-VZ, iPhone-Apps). Wichtig für die Rekrutierung sei auch die Kooperation mit Sportvereinen und die enge Zusammenarbeit mit Truppenteilen, damit die Jugendlichen einen Eindruck bekommen, was sie erwartet.

„Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um konkurrenzfähig zu sein“, wurde immer wieder betont. Auch nach der Reform der Bundeswehr, die eine Verkleinerung vorsieht, wolle man bei der Flächenpräsenz im Rahmen der Rekrutierung keine Abstriche machen. 16 Millionen Euro investiert die Bundeswehr heuer in die Nachwuchswerbung. Die Bundeswehr ist zwar laut Untersuchungen als Arbeitgeber beliebt, hat aber nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal wie noch vor einigen Jahren. Firmen haben in punkto Attraktivität nachgezogen, erschwerend wirkt auch der demografische Wandel.

 

Eine Erfahrung, die man machen soll

Darabos machte auch die Bekanntschaft zweier Hauptgefreiter, die noch zu Zeiten der Wehrpflicht in die Bundeswehr eintraten, ihren Dienst aber freiwillig verlängert haben. Markus Bauer spricht von „einer Erfahrung, die man machen sollte“, er beschwört Teamgeist und Kameradschaft. Gabor König will in der Bundeswehr die Ausbildung zur Fluggeräteinstandsetzung machen. Beide wären – Grundvoraussetzung zur Aufnahme in die Bundeswehr – zu einem Auslandseinsatz bereit, „um die Kameraden zu unterstützen“ und „weil man weiß, dass man etwas bewirken kann“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2011)