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Yahoo macht Schluss mit Carol Bartz

(c) AP (Paul Sakuma)
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Anleger feiern den Rauswurf der Kurzzeitchefin, Carol Bartz. Sie hat es nicht geschafft, dem einstigen Internetpionier neuen Sinn, Fokus und ein lohnendes Geschäftsmodell zu geben.

Wien/Ag/Auer. So dreist hat Carol Bartz wohl noch niemand vor die Tür gesetzt: „Ich bin sehr traurig, euch mitteilen zu müssen, dass mich der Yahoo-Verwaltungsratsvorsitzende gerade am Telefon gefeuert hat“, schrieb die ehemalige Yahoo-Chefin Dienstagnacht ihren verbliebenen Mitarbeitern. Jeden Zwanzigsten der einst 13.600 Mann starken Yahoo-Belegschaft hat sie im Versuch, den früheren Web-Giganten wieder auf Kurs zu bringen, selbst auf die Straße gesetzt.

Nachdem sich Firmengründer Jerry Yang Anfang 2008 mit aller Kraft gegen ein 47,5 Mrd. Dollar (33,8 Mrd. Euro) schweres Übernahmeangebot von Microsoft gestemmt hatte, trat Bartz wenig später an die Spitze des orientierungslosen Konzerns, um den „Unternehmen auf dem Markt in den Hintern zu treten“.

 

Facebook schließt zu Yahoo auf

Daraus wurde allerdings nichts. Denn außer Einsparungen fiel der 63-jährigen Managerin nur wenig ein. So lagerte sie Mitte 2009 etwa die Web-Suche des Konzerns an Microsoft aus. Doch die Kostenbremse allein war zu wenig, um Konkurrenten wie Google und Facebook Paroli zu bieten.

Obwohl Yahoo immer noch hunderte Millionen Nutzer anzieht, sinken Umsatz und Marktanteile seit Jahren konstant. Im zweiten Quartal ging der Umsatz um 23 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar (840 Mio. Euro) zurück. Yahoos Anteil an den Online-Werbeeinnahmen in den USA könnte nach Schätzungen des Marktforschers EMarketer im kommenden Jahr auf 9,7 Prozent fallen. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 16 Prozent. Zum Vergleich: Google hat 45 Prozent des Marktes im Griff, der junge Konkurrent Facebook soll seinen Anteil im kommenden Jahr auf 7,8 Prozent verdreifachen.

Selbst bei der sogenannten Banner-Werbung, bisher stets eine Domäne von Yahoo, geht es steil bergab. Investoren lasten diese Entwicklung auch Bartz persönlich an, weil es ihr nicht gelungen ist, erfolgreiche Teams im Unternehmen zu halten.

 

Aktionäre feiern Befreiungsschlag

Am Mittwoch feierten die Anleger das Ende der Ära Bartz bei Yahoo als Befreiungsschlag. An der New Yorker Wall Street gingen die Yahoo-Papiere kurz nach Handelsstart um fünf Prozent nach oben.

Gelöst sind die Probleme des Konzerns dadurch freilich noch nicht. Wer immer dem interimistischen Konzernchef Tim Morse, bisher Finanzchef bei Yahoo, nachfolgt, wird vor derselben Herkulesaufgabe stehen wie Bartz vor zweieinhalb Jahren: Das Unternehmen weiß einfach nicht, was es eigentlich machen will.

 

Lukrative Beteiligungen in Asien

Analysten rätseln bereits, ob Yahoo nun reif für eine Übernahme sei. Mindestens drei Finanzinvestoren sollen kürzlich ausgelotet haben, ob große Medienunternehmen Interesse an einem Zukauf haben könnten. An der Börse ist Yahoo noch mit rund 17 Mrd. Dollar bewertet – das entspricht etwa einem Zehntel von Googles Börsenwert.

Yahoo selbst steht aber nur für ein Drittel des Aktienwerts. Der Rest entfällt auf die 40-prozentige Beteiligung am chinesischen Anbieter Alibaba und auf ihren Anteil an Yahoo Japan. Unter Bartz war das Verhältnis zwischen Yahoo und Alibaba stark angespannt, nachdem Alibaba-Gründer Jack Ma glücklos versucht hatte, Yahoo herauszukaufen. Ein Sprecher der Chinesen erklärte, Bartz' Rauswurf werde wohl am Eigentümerstreit vorerst nichts ändern: „Wir müssen abwarten, wie wir mit dem neuen Chef zusammenarbeiten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2011)