Im Jahrestakt geben sich die CEO bei RHI die Klinke in die Hand. Gerüchten zufolge gibt es Unstimmigkeiten zwischen Management und Großaktionär.
Der börsenotierte Feuerfestprodukte-Hersteller RHI kommt nicht zur Ruhe - nun hat ein neuerlicher plötzlicher Chefwechsel den Markt schockiert. An der Börse ist die jüngste Rochade von Mittwochabend negativ aufgenommen worden: Die Aktie rutschte heute, Donnerstag, zur Eröffnung in einem freundlichen Markt um 2,64 Prozent auf 16,4 Euro ab. Bis zu Mittag um 12 Uhr bauten die RHI-Papiere das Minus auf 3,8 Prozent aus und notierten bei 16,21 Euro.
Der nun abgetretene CEO Henning Jensen (51), der seinem Kurzzeitvorgänger Thomas Fahnemann erst vor gut einem Jahr gefolgt war, hatte nach der Aufsichtsratssichtung vom Mittwoch kurz nach Börsenschluss überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben - offiziell heißt es "auf eigenen Wunsch". Neuer Vorstandschef ist per sofort Ex-Voest-Chef Franz Struzl (69). Struzl erhielt einen Dreijahresvertrag. Struzl ist nun bereits der vierte CEO innerhalb von viereinhalb Jahren.
Über die Gründe für die aktuelle Umbesetzung an der Unternehmensspitze kann mangels aussagekräftiger Begründung nur gerätselt werden. "Da sind natürlich den Spekulationen jetzt Tür und Tor geöffnet", sagte Erste-Bank-Analyst Franz Hörl. Wenn irgendwo ein Vorstand gehe, würden aber häufig nur lapidare oder persönliche Gründe angeführt. "Die Aktie ist seit Monaten generell unter Druck, weil sich die Konjunkturaussichten eingetrübt haben", so UniCredit-Chefanalyst Thomas Neuhold. Seit Jahresanfang gab der Kurs bereits um 45 Prozent auf etwas über 16 Euro nach.
Gerüchte: Unstimmigkeiten mit Großaktionär
Marktgerüchten zufolge gibt es zwischen dem Management und dem Haupteigentümer immer wieder grobe Unstimmigkeiten. Großaktionär Martin Schlaff, der zwischen 25 und knapp 30 Prozent der RHI-Anteile hält, gängelt den jeweiligen Chef angeblich immer wieder über die Aufsichtsräte Herbert Cordt, Michael Gröller sowie Ex-ÖBB- und -RHI-Chef Draxler.
Grundlegende Auffassungsunterschiede zwischen Schlaff und den CEOs könnte es beispielsweise bei Großinvestitionen geben. Wenn an dem hartnäckig kursierenden Gerücht etwas dran ist, dass Schlaff seinen Anteil versilbern will, wird er kein allzu großes Interesse an hohen Ausgaben haben, die auf den Gewinn drücken und sich erst langfristig rentieren. Angesichts des derzeitigen Aktienkurses wäre der Ausstieg für den Investor derzeit allerdings ein Verlustgeschäft, da er sich bei einem weitaus höheren Kurs eingekauft hat - kolportiert werden 22 oder 23 Euro je Aktie.
Der seit heute amtierende Unternehmenschef Struzl verbrachte die letzten Jahre in Brasilien, wo er die Böhler-Uddeholm-Tochter Villares Metals leitete. In Österreich war der ehemalige Voest-Manger über eine Insideraffäre gestolpert. Bei der Übernahme der Voest-Tochter VA Eisenbahnen soll der damalige Generaldirektor einen Kursgewinn von 250.000 Euro lukriert haben. Bei der A-Tec war er bis vor kurzem im Aufsichtsrat.
(APA)