Burkhart Heidi: Hilfe zur Selbsthilfe als gelebtes Prinzip

(c) ORF (Hans Leitner)
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Heidi Burkhart ist als Geschäftsführerin vom Hilfswerk Austria International Herrin über Entwicklungsprojekte in mehr als 30 Ländern. Sie ist für die Wahl der Österreicher des Jahres nominiert.

Wien. Nein, sie habe kein Helfersyndrom. Sie sieht sich auch nicht als Helfer von Welt. Für Heidi Burkhart ist es einfach ein Job - und zwar einer, der sinnvoll ist und ein gutes Gefühl hinterlässt. „Es ist einfach schön, einen Beitrag zu leisten, dass andere ihre ureigenen menschlichen Fähigkeiten entfalten können", sagt Burkhart und spricht damit gleich zwei verschiedene Gruppen an. Einerseits jene Menschen aus rund 30 Ländern, die von den Projekten des Hilfswerks Austria International profitieren. Und andererseits jene 17 Mitarbeiter, die unter der Leitung der Geschäftsführerin ebendiese Projekte in der Wiener Ebendorferstraße koordinieren.

Dass die Wienerin, die Violine, Erziehungswissenschaften und Philosophie studiert hat, einmal bei einer internationalen Organisation für Entwicklungsprojekte arbeitet, hätte sie eigentlich nicht gedacht. „Es hat sich so ergeben. Aber heute würde ich mir genau diesen Job wieder aussuchen." Durch Zufall kam Burkhart zum Hilfswerk und war anfangs für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ab 1989 war sie als Generalsekretärin für die gesamte österreichische Stelle zuständig und somit in die Gründung von Hilfswerk Austria International direkt involviert. „Wir haben damals beschlossen, über die Grenzen zu schauen und auch international etwas zu machen." Genug zu tun gab es damals - mit dem Fall des Eisernen Vorhangs - allemal. Nach einem Projekt für Kinder aus Polen zeigte sich schnell, dass „die Sache keine Eintagsfliege ist", wie es Burkhart ausdrückt. „Die Welt hat sich geändert, es kamen die Balkan-Kriege, der erste Irak-Krieg, es gab einfach genug zu tun."

Das wird sich auch nicht so schnell ändern, auch wenn sich die Schwerpunkte der Länder, in denen Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird, sehr schnell wandeln können. Allein deshalb reist Burkhart etwa ein Viertel ihrer (beruflichen) Zeit durch die halbe Welt. „In Krisensituationen muss man sehr schnell ein Netzwerk aufbauen können, mit dem man länger arbeiten kann." Derzeit liegen die Schwerpunkte in Ostafrika (Stichwort Dürre) und im arabischen Raum. „Das ist eine besondere Herausforderung, in einer solchen Umbruch-Phase etwas aufzubauen", so Burkhart. Ihre Mitarbeiter - neben den 17 Personen in der Zentrale arbeiten mehr als 70 Personen in den Projektländern vor Ort - müssen daher „schnell, flexibel, kontaktreich und risikobereit" sein. Und sie müssen gern und früh Verantwortung übernehmen. „Ich habe den Ehrgeiz, dass sich um mich herum etwas entfaltet. Ich arbeite gerne mit jungen Menschen und gebe ihnen früh Verantwortung. Dadurch wachsen sie und können sich entfalten."

Burkhart vergleicht die Organisation mit einem wachsenden Baum. „Der Stamm ist die Geschäftsstelle. Die Wurzeln bestehen aus Vereinen, Beirat, Sponsoren, Spendern, Medien und anderen Bereichen. Die Äste sind die Länder. Wir hatten auch schon einmal 50 Länder, derzeit sind es 30. Ein Baum blüht ja auch immer unterschiedlich." Die verschiedenen Projekte basieren auf den drei Schwerpunkten Gesundheit und Soziales, Bildung sowie Wirtschaft und Landwirtschaft. 75 Prozent der Gelder stammen aus öffentlicher Hand, der Rest von privaten Spendern. Rund zehn Millionen konnte das Hilfswerk Austria International im Jahr 2010 aufstellen. 9,4 Millionen Euro wurden in Projekte investiert.

Die Musik hat Burkhart trotz unzähliger Projekte und ebenso vieler Auslandsaufenthalte dennoch nicht aufgegeben. Privat wird nach wie vor regelmäßig Kammermusik praktiziert. „Musik ist ja etwas sehr Kommunikatives, insofern passt das auch zum Job", sagt sie. Und genau das ist die Geschäftsführung beim Hilfswerk Austria International auch für sie - ein Job, und zwar ein sinnvoller.

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