Der Gestalter digitaler Welten fürs Ohr

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Der Vorarlberger Michael Breidenbrücker machte schon vor zehn Jahren mit dem Internetradio Last.fm auf sich aufmerksam. Derzeit arbeitet er mit RjDj an der Personalisierung und Reduzierung von Musik.

Michael Breidenbrücker macht mit der Musik eigentlich genau das, was er gelernt hat: Mediengestaltung. Mit dem kleinen Unterschied, dass er das etwas ganzheitlicher, ursprünglicher sieht. „Es geht mir nicht darum, Gestaltung für Medien zu machen, etwa Animationen, ich will ein neues Medium gestalten“, sagt der gebürtige Vorarlberger. Das ist dem 39-Jährigen nicht nur mit dem Internetradio Last.fm gelungen, das er mitgegründet hat, sondern auch mit dem Nachfolgeprojekt RjDj, aus dem auch mehrere Apps – etwa zum Kinofilm „Inception“ – entstanden sind.


Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht jeweils der Ansatz, Musik etwas weiter zu denken und mit neuen technischen Möglichkeiten zu verbinden. So handelte es sich etwa bei Last.fm um ein Internetradio, das mitdenkt, den Geschmack des Users lernt und ein entsprechendes Musikprogramm zusammenstellt. „Ausgangspunkt war, dass Peer-to-Peer-Netzwerke wie Napster vor zehn Jahren aus den Boden geschossen sind. Wir haben uns überlegt, was es bedeutet, dass jedes Musikstück immer und überall erhältlich ist“, sagt Breidenbrücker, der gemeinsam mit seinen Kollegen Felix Miller, Martin Stiksel und Thomas Willomitzer im Jahr 2000 Last.fm gestartet hat. Kopfzerbrechen bereitete ihm damals, dass durch diese Verfügbarkeit der emotionale Wert des Musikstücks verloren ging. Durch das persönliche Musikprogramm auf Last.fm wollte man dem entgegenwirken. Die Idee ging auf, Last.fm war ein Erfolg, im Jahr 2007 wurde die Plattform an das amerikanische Unternehmen CBS Corporation verkauft. Wenn man so möchte, ist RjDj die Weiterentwicklung des Internetradios. Dabei handelt es sich um eine Software, die dem User seinen persönlichen Soundtrack zur Verfügung stellt, indem Bewegung und Umgebungsgeräusche registriert und in das Musikstück aufgenommen werden. Beim Laufen wird die Musik also etwas schneller, in ruhiger Umgebung leiser. Breidenbrücker hat sich damit schon 1999 beschäftigt. „Allerdings war es mit den damaligen technischen Möglichkeiten noch sehr schwierig.“ 2008 hat er die Idee noch einmal aufgegriffen und weiterentwickelt.


Mittlerweile gibt es RjDj für iPod, iPhone und unter dem Namen RjDj Voyager auch für das iPad. Gemeinsam mit dem Regisseur Christopher Nolan und dem Komponisten Hans Zimmer wurde für den Kinofilm „Inception“ eine gleichnamige App entwickelt, die mittlerweile mehr als drei Millionen Mal heruntergeladen wurde. Derzeit wird an dem Nachfolgemodell „Dimensions“ gearbeitet, das Mitte bis Ende Oktober auf den Markt kommen soll.

Interessanterweise ist trotz oder gerade wegen all der technischen Möglichkeiten zugleich die Reduzierung der Musik bei den Apps ein starkes Thema. „Einerseits soll ein Kunstwerk, also ein Song, an Individualität gewinnen, andererseits geht es um Verknappung“, so Breidenbrücker. So sind gewisse Tracks nur unter bestimmten Bedingungen zu hören, etwa bei Vollmond, Sonnenschein oder dank Google am Flughafen. Breidenbrücker will das Gefühl, das sich rund um ein Livekonzert einstellt, auf die digitale Ebene bringen. „Leute fahren sehr weit und zahlen viel Geld, um einen bestimmten Künstler live zu hören. Dieses Erlebnis möchte ich auf die digitale Welt umlegen.“
Bei all der Virtualität braucht Breidenbrücker aber dennoch ein Stück Bodenständigkeit. Zu fünft arbeitet man im RjDj-Team im Londoner Kreativgrätzel Shoreditch. Die Wochenende verbringt er daheim bei Frau und Kindern in Vorarlberg. „Da habe ich ein Haus am Berg. Es ist ein enormer Luxus, dass ich diese zwei Welten so kombinieren kann“, sagt er. Und das ist offensichtlich auch inspirierend für seine Arbeit, die Mediengestaltung.

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