Energie: Katerstimmung auf dem Sonnendeck

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Preisverfall, Jobabbau, Pleiten. Deutschlands Solarbranche ist in der Krise. Konkurrenz aus Asien zog das Land mit seinen Fördermilliarden selbst groß. Für Österreichs Solarfirmen ist die Lage nicht so kritisch.

Wien. Eigentlich ist es eine Erfolgsmeldung: Heuer wird die EU erstmals ein Prozent ihres Strombedarfs mit der Kraft der Sonne decken. Das rauschende Fest der Solarindustrie ist offenbar noch lange nicht vorbei. 2010 lieferten Fotovoltaikanlagen weltweit doppelt so viel Leistung wie im Jahr zuvor. Auch heuer werden wieder um die Hälfte mehr Solarpaneele auf Hausdächer geschraubt werden. Doch so recht freuen können sich die Hersteller darüber nicht. Millionenverluste, Jobabbau und Angst vor der Pleite dominieren die Schlagzeilen.
Die Erklärung dafür ist simpel: Der Markt ist übersättigt, Solarzellen sind billig wie nie. In nur einem Jahr stürzte der Preis um 42 Prozent ab. Vor allem die Konkurrenz aus Asien drückt ihn nach unten. Firmen wie der Suntech oder Yingli haben in nur wenigen Jahren einen Großteil des Weltmarktes an sich gerissen (siehe Grafik). In den Industrienationen kommen Solarzulieferer hingegen zusehends unter Druck. Erst im August machte in den USA Solyndra dicht. Eine halbe Milliarde Dollar an staatlichen Krediten hatte Barack Obamas Vorzeigeunternehmen zuvor bekommen. Es war die dritte Pleite eines US-Solarzellenherstellers im August.

Chinas Heimmarkt am Rhein

Am härtesten trifft das neue Kräfteverhältnis auf dem Weltmarkt aber Deutschland. In keinem anderen Land haben die Politiker stärker an die Kraft der Sonne geglaubt. Jede zweite Solaranlage, die 2010 installiert wurde, wartet heute bei unseren Nachbarn im Norden auf Sonnentage. 81,5 Mrd. Euro pumpte Deutschland bis Ende 2010 in die Fotovoltaik, um damit gerade einmal zwei Prozent des Strombedarfs zu decken. Ziel war es aber auch, eine starke Industrie für den Zukunftsmarkt aufzubauen. Hunderte kleine Öko-Firmen wurden so zu ansehnlichen Konzernen. Aufgegangen ist die Rechnung der Deutschen dennoch nicht. Denn die Fördermilliarden blähten nicht nur den deutschen Markt bis zur Übersättigung auf, sie ebneten auch der chinesischen Konkurrenz den Weg. Denn anders als in Österreich kennt Deutschland keine Obergrenze für Solarförderungen. Seit China das Land mit billigen Solarmodulen flutet, ist bei den deutschen Herstellern Feuer auf dem Dach. Denn Chinas Betriebe werden zusätzlich direkt von Peking gefüttert und sind so preislich kaum zu schlagen – und qualitativ oft schon auf Augenhöhe. Reihenweise schreiben Deutschlands einstige Börsenstars rote Zahlen, frühere Größen wie Q-Cells warten nur noch darauf, übernommen zu werden. Die Firmen bringen ihre teureren Paneele nicht an den Mann.

Österreich als Asiens Zulieferer

Für Österreichs Solarfirmen ist die Lage nicht so kritisch. Denn entweder sie sind selbst Zulieferer für asiatische Hersteller, wie Isovoltaik, oder sie produzieren wie Fronius Wechselrichter, für die es noch keinen Ersatz aus Asien gibt. Die oberösterreichische Firma blickt optimistisch in die Zukunft. Nicht zuletzt dank des neuen Ökostromgesetzes, das eine Vervierfachung der Fördermittel für Fotovoltaik auf acht Mio. Euro pro Jahr vorsieht.
An der Sinnhaftigkeit staatlicher Zuwendungen für die bis dato teuerste Variante, Strom zu produzieren, zweifelt Hans Kronberger, der oberste Lobbyist für die Branche naturgemäß nicht. Auch das mahnende Beispiel aus Deutschland lässt er nicht gelten. Denn der Großteil der Wertschöpfung brächten nicht Paneele, sondern die Arbeitsplätze bei der Installation. Und die lasse sich nicht so leicht nach China auslagern. Für Deutschland errechnete die Hochschule für Technik und Wirtschaft allerdings, dass lediglich 80.000 statt der stets gepriesenen 133.000 Arbeitsplätze in der Solarindustrie hängen.
Trotz allem wird saubere Energie eine Wachstumsbranche bleiben. Durchsetzen werden sich aber jene Firmen, die nicht nur auf Fördertöpfe im eigenen Land schielen, sondern die ganze Welt als Absatzmarkt verstehen und genügend Kleingeld haben, um auch härtere Zeiten durchtauchen zu können.

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