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E-Medikation: Speichern aller Arzneien von Patienten wird konkret

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(c) Bilderbox / Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)

Gesundheitsministerium und Ärztekammer näherten sich bei Spitzengespräch über das elektronische Erfassen von Medikamenten wieder an. Auf rechtliche und technische Bedenken der Mediziner soll eingegangen werden.

Wien/Apa/Pö. Die E-Medikation, ein Prestigeprojekt von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), könnte nun doch bald kommen. Das Pilotprojekt zur E-Medikation war zuletzt ins Stocken geraten. Vor allem die Ärztekammer hatte Bedenken gegen das Vorhaben geäußert, bei dem ab 2012 sämtliche Medikamente eines Patienten in Österreich elektronisch erfasst werden sollen; alle seine Ärzte und Apotheker sollen seine Arzneien dann am Computer aufrufen können. Vor allem die Ärzte befürchteten bisher unter anderem einen erheblichen Mehraufwand in der Verwaltung sowie Einbußen beim Datenschutz.

Bei einem Gespräch der Spitzen von Ministerium, Ärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger am Mittwochabend kam aber wieder Schwung in die Sache: Bei den Verhandlungen seien rechtliche und technische Bedenken der Ärzte ausgesprochen und aufgegriffen worden, erklärte ein Sprecher Minister Stögers nach dem Treffen. Die notwendigen Klarstellungen seien „gelungen“.

Die Ärztekammer hatte zuletzt angesichts des Pilotprojekts seit April auch die Auftragsvergabe für die Software kritisiert: Der Hauptverband habe diese nicht ordnungsgemäß ausgeschrieben, was der Hauptverband bestritt. Außerdem, so die Ärztekammer, seien die Abläufe bei der E-Medikation zurzeit nicht optimal. So würde des Computersystem das Ausstellen bestimmter Rezepte automatisch blockieren – dann nämlich, wenn der Patient ein und dasselbe Medikament innerhalb kürzester Zeit ein zweites Mal verschrieben bekommen soll. Am Ende hätten die Ärzte einen erheblichen Mehraufwand, um das notwendige Rezept doch noch (händisch) auszustellen – und dabei drohe auch noch mangelnde Rechtssicherheit, hatte bereits Kammerchef Walter Dorner erklärt.

Das Ministerium bemühte sich nun zu erklären, dass sich Ärzte, die am Pilotprojekt teilnehmen, nicht um Rechtssicherheit sorgen müssten. Der Datenschutz habe höchste Priorität. Auch Schwierigkeiten beim Ausstellen von (Folge-)Rezepten werde man rasch beseitigen: Geplant seien erhebliche technische Verbesserungen.

 

Start 2012 nun wieder möglich

Vor diesen Zusagen hatte die Kammer gedroht, nicht nur das Pilot-, sondern das Gesamtprojekt E-Medikation ab 2012 zu stoppen. Nun ist man weiter gesprächsbereit.

Ziel des Projekts sind Verbesserungen für den Patienten: Ärzte und Apotheker sollen sämtliche Arzneien aufrufen können, die der Patient bereits verschrieben bekommen hat. Damit soll Mehrfach-Verordnungen oder auch Wechselwirkungen vorgebeugt werden. Für die Patienten soll die Teilnahme an der E-Medikation freiwillig sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2011)