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ORF-Radiodirektor: "Halte zu allen Parteien Distanz"

ORFRadiodirektor Halte allen Parteien
(c) Die Presse (Teresa Zötl)
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Radiodirektor Karl Amon hält Kathi Zechner, Michael Götzhaber und Helmut Krieghofer für qualifizierte Direktoren, plant ab 2012 ein Kinderradio und will die Bedingungen für Ö1-Mitarbeiter verbessern.

Die Presse: Sie sind seit einem Jahr Radiodirektor, aber hinter Ihnen hängt die ZIB-Wand, oder? Ist die Sehnsucht nach dem Fernsehen noch so groß?

Karl Amon: Die ZIB-Wand haben mir meine Kollegen vor einem Jahr zum Abschied geschenkt. Das hat mich sehr gefreut und außerdem ist es künstlerisch interessant. Und es passt gut hierher.

Es steht schon fest, dass Sie in Ihrem Amt verlängert werden ab 2012. . .

. . . fest steht es nicht, aber ich werde mich bewerben.

Und der Generaldirektor hat gesagt, dass er sie wieder will.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich die Mehrheit im Stiftungsrat bekommen werde, aber es gibt keine Garantie.

Die TV-Direktion hätte Sie nicht gereizt?

Wenn sie mich interessiert hätte, hätte ich. . .

. . . sie bekommen?

. . . hätte ich mich darum bemüht. Ob ich's geworden wäre, ist nicht gesagt. Ich habe mich um meinen Traumjob bemüht, nämlich den des Radiodirektors.

Da sagen Sie in Interviews immer. Wieso ist gerade der Radioboss ihr Traumjob?

Ich habe vor einem Jahr auf ähnliche Fragen immer gesagt: ‚Ich bin gekommen, um zu bleiben.‘ Damals hatte ich den Eindruck, das wurde mir nur halb geglaubt, inzwischen denke ich, glauben mir die Journalistinnen und Journalisten des Landes, dass ich das Ernst gemeint habe. Mich fasziniert am Radiobereich die Möglichkeit, Journalismus viel nachhaltiger zu machen als das im Fernsehen möglich ist. Beim Radio sind Kolleginnen und Kollegen, die bewusst das Medium Radio ausgesucht haben, weil sie hier die Möglichkeit haben, längere, hintergründige Berichte, Beiträge und Geschichten zu machen.

Die Radiodirektion bleibt auch unter Wrabetz II bestehen. Würden Sie sich als mächtig im ORF bezeichnen?

Ich hoffe, dass mein Generaldirektor mir vertraut und alle Signale, die ich von ihm bekomme, gehen in diese Richtung. Aber ich würde mich nicht als mächtig sehen, weil was ist Macht?

Anders gefragt: Wie wichtig ist, dass Sie einen guten Draht zur Kanzlerpartei haben?

Ich habe einen korrekten Draht zur Bundeskanzlerpartei, zur Vizekanzlerpartei und zu den drei Oppositionsparteien. Und ich halte zu allen journalistische Distanz. Ich kann gar nicht anders, als kritisch und tatsachengetreu berichten.

Bekommen Sie jetzt mehr oder weniger Anrufe von Parteisekretären als während Ihrer Zeit als TV-Chefredakteur?

Das ist ziemlich gleich geblieben. Es wäre ja traurig, wenn es plötzlich keine Anrufe mehr gäbe. Dann wäre ja der Radiobereich für die verschiedenen Interessensgruppen weniger wichtig. Es ist nicht nur die Politik, sondern es sind alle Bereiche, die Interessen haben, also auch die Wirtschaft, die Wissenschaft oder auch der gesamte Kulturbereich. Wichtig ist, dass alle Interessensgruppen von uns nach der Qualität ihrer Inhalte beurteilt werden. Da gibt es ja auch das Wort „nein".

Wer wäre der/die geeignete TV-Direktor/in für den ORF?

Die Personen, die derzeit im Gespräch sind, halte ich alle für geeignet (Kathrin Zechner, Ingrid Deltenre, Verena Kulenkampff). Zwei der drei Personen kenne ich persönlich. Kathi Zechner kenne ich besser, man kann von ihr einiges lernen. Sie hat die Fähigkeit, zu erkennen, was eine Story ist. Nicht nur im Musical-, auch im TV-Bereich.

Ist es sinnvoll, jemanden zurückzuholen, der nach dem ORF etwas komplett anderes gemacht hat?

Wenn die Person es kann? Wobei ich noch einmal betone, dass ich alle drei für geeignet halte. Wäre es mein privates Geld oder müsste ich entscheiden, würde ich auch an diese drei Namen denken.

Ist es legitim, erst als Stiftungsrat für den Generaldirektor zu stimmen und sich anschließend selbst zum Direktor ernennen zu lassen?

Wie immer hängt das von der jeweiligen Person ab. Wenn Kollegen nur deswegen eine Funktion bekämen, weil sie in einem Aufsichtgremium waren, würde ich das fürchterlich finden. Aber es kann doch kein Behinderungsgrund sein, wenn eine Person geeignet ist und möglicherweise sogar der oder die Beste für eine Position ist.

Wie wird überprüft, ob jemand den Posten nicht nur bekommen hat, weil er Stiftungsrat war?

Nennen wir das Kind beim Namen, es geht ja konkret um zwei Personen: Michael Götzhaber und Helmut Krieghofer. Ich kenne beide. Beide können es.

Es gibt also bei beiden Positionen niemanden, der besser geeignet ist, als die zwei angesprochenen?

Ich kenne nicht alle Personen, die sich beworben haben und die zur Verfügung stünden. Aber von denen, die ich kenne, wäre das eine gute Wahl.

Die größte Programmänderung fand auf Ö1 im Sonntagmorgen und der Nachtschiene statt. Sie haben vor einem Jahr gesagt, der „Guglhupf" fehle Ihnen. Tut er das noch immer?

Ich habe mit Bettina Roither, Peter Klein und Michael Kerbler länger diskutiert und sogar eine kleine Wette laufen. Ich habe gesagt, das neue Format braucht mindestens ein Jahr, bis wir beurteilen können, ob es ein Erfolg ist. Alle drei haben mir gesagt: Das geht viel schneller. Momentan sieht es so aus, als würde ich die Wette verlieren. Das Format wurde sehr schnell akzeptiert.

Was wurde aus Ihrer Idee des Kinderradios?

Die gibt es immer noch. Wir decken mit unseren Radios alle Altersschichten ab. Fehlen tut uns das besonders wichtige Segment der sechs- bis 12-Jährigen. Das ist das Radio-Einstiegsalter. Wer als Kind nicht Radio hört, ist später schwerer dafür zu gewinnen.

Wann soll das Kinderradio starten?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Es wird mit Beginn des nächsten Jahres in Wien digitale Probefrequenzen für alle Radioanbieter geben. Es hätte Charme, auf dieser Probefrequenz den Kindern und Jugendlichen, Radio schmackhaft zu machen. Große Chancen gebe ich dem Digitalradio insgesamt nicht.

Das heißt, Sie glauben nicht, dass es in Österreich bald Digitalradio geben wird?

Solange unser Publikum mit seinem Analog-Radio zufrieden ist, besteht keine Notwendigkeit für Digitalradio.

Das hätte man beim Fernsehen oder beim iPad auch sagen können.

Da gibt es einen Unterschied. Für das Radiopublikum ist es egal, ob es sein Programm aus einem Analog- oder Digitalradio hört. Gut muss es sein. Wenn es eine große Unzufriedenheit mit der technischen Qualität der Analog-Radios gäbe, wäre das etwas anderes. Aber diese Unzufriedenheit gibt es nicht. Und die Umstellung beim Fernsehen war ja notwendig, weil das analoge Signal abgeschaltet wurde. Davon ist beim Radio keine Rede.

Wie lautet die zweite Möglichkeit?

Noch lieber würde ich das Kinderradio im Internet machen. Den jungen in ihrem Hauptmedium auch gleich Radio anzubieten, würde Sinn machen.

Es braucht Personal für ein solches Projekt. Der ORF muss aber sparen. Wie soll das gehen?

Wir werden die Budgets umorganisieren ab 2012. Meine Senderchefinnen und -chefs bekommen ein Budget, das sie mitgestalten können. Ich mache die Kostenverursacher zu Kostenverantwortlichen. Das bringt sehr viel und schärft das Produkt.

Bei Ö1 gibt es viele freie Mitarbeiter, die nur knapp am Existenzminium verdienen.

Gott sei Dank ist es nicht so extrem wie sie sagen. Aber die Grundproblematik ist mir bekannt. Wir arbeiten an Verbesserungen.

An welchen genau?

Wir legen Soll-Beschäftigtenstände fest. Die Beschäftigten pro Sender sollen auch vergleichbare Beschäftigungsverträge haben. Sodass dieses Zwei-Welten-Modell zum Auslaufmodell wird. Das ist meine feste Absicht.

In jüngster Zeit gab es einige kleine technische Schwierigkeiten bei Ö1. Woher kamen die?

Vereinzelte Technikprobleme gibt es, seit es Radio gibt. Es gibt nicht wirklich eine Garantie für Fehlerlosigkeit. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass technische Geräte sich abnützen. Wir nehmen das natürlich sehr ernst.

Wie ist das Verhältnis zwischen Radio und Fernsehen, auch dem neuen Spartensender ORF III?

Sie meinen, wie wir Radiomacher das Fernsehen sehen? Als gleichberechtigten Partner. Uns ist ORF III gleich viel wert wie die anderen Sender. Natürlich habe ich Interesse, auch in den Massensendern vorzukommen, aber Publikumssynergien gibt es für Ö1 und teils auch FM4 mehr mit ORF III als ORF 1 und ORF 2. So wird zum Beispiel der Ö1-„Klartext" im neuen Ambiente aus dem Großen Sendesaal künftig auch in ORF III übertragen. Somit werden Radiosendungen sichtbar.

Was sind die nächsten großen Veränderungen?

Große Programmreformen sind nicht nötig. Wir haben drei hervorragende Sender, die sich permanent erneuern.

Neue Köpfe für den ORF

Neue Köpfe für den ORF 13 ORF-Direktoren werden am 15. 9. vom Stiftungsrat bestellt: 9 Landesdirektoren und je einer für TV, Radio, Kaufmännisches und Technik. Das Team gilt bereits als fix: Richard Grasl (KD), Karl Amon (Radio), Michael Götzhaber (Technik). Vereinigte-Bühnen-Wien-Chefin Kathrin Zechner hat sich Freitagnachmittag um die TV-Direktion beworben. Der Tiroler Stiftungsrat und Ex-ÖVP-Landesgeschäftsführer Helmut Krieghofer soll Tiroler Landesdirektor werden – was Kritik auslöste. Am Freitag lehnten auch die Redakteure des Landesstudios seine Bestellung ab. Krieghofer hat sein Stiftungsratsmandat bereits zurückgelegt – ihm folgt Josef Resch nach.