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Flugsimulatoren: Nahe an der Wirklichkeit

Flugsimulatoren Nahe Wirklichkeit
(c) Microsoft
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Die Anschläge vom 11. September 2001 rückten kurzzeitig auch Flugsimulatoren in ein schlechtes Licht. Sie fristen aber seit Langem ein Nischendasein.

Mohammed Atta und die anderen Terroristen von 9/11 sollen mit Programmen wie Microsofts „Flight Simulator“ geübt haben, wie man Flugzeuge in Gebäude lenkt. Jeder, der auch nur einmal ein solches Stück Software ausprobiert hat, weiß, dass das Touchieren von Gebäuden eher öfter passiert, als man will, als umgekehrt. Denn Fliegen ist nicht so einfach, selbst am Computer. Für zahlreiche Flugzeugfans erfüllt sich dadurch aber zumindest ansatzweise der Traum vom Pilotenjob.

Die Anschläge auf das World Trade Center hatten aber direkte Auswirkungen auf die Entwicklung von Microsofts Aushänge-Simulation. Die für Herbst 2001 geplante Version wurde verzögert, um die Zwillingstürme aus dem Programm wieder zu entfernen. Anstatt noch im September erschien „Flight Simulator 2002“ erst am 19. Oktober 2001. Die Entscheidung wurde kurzzeitig in diversen Internetforen lautstark debattiert.


Realismus. Mit zunehmendem Fortschritt der Technik haben sich auch die Feinheiten von Flugsimulatoren verbessert. Neben realistischeren Grafiken und detaillierteren Flugzeugmodellen kamen auch Neuheiten wie Geländeerhebungen und weitere Terraindetails. Anfang der Achtzigerjahre waren digitale Hobbypiloten schon froh, wenn sie überhaupt erkennen konnten, welcher Pixelhaufen die Landebahn war.

Erstaunlicherweise gab es in der bald 30-jährigen Geschichte des „Microsoft Flight Simulator“ kaum Konkurrenzprodukte. Zu sehr waren diese Programme in einer Nische angesiedelt. Ein Umstand, der vor wenigen Tagen das Gerücht aufflammen ließ, der Hersteller könnte die Entwicklung der Serie bald komplett einstellen – aus Kostengründen.

Derzeit gibt es nur ein ziviles Konkurrenzprogramm, „X-Plane“, zu Microsofts Platzhirsch auf dem Flughimmel. Es entstand 1993 und ist vorrangig für Apples Mac OS X entwickelt worden. Versionen für Windows und Linux sind aber auch verfügbar. Das Spiel versucht, durch mathematisch korrekte Formeln das Flugverhalten der unterschiedlichsten Vehikel zu berechnen. Der Simulationscharakter wird auch durch den Umfang der Software bestätigt. Stolze 78 Gigabyte benötigt „X-Plane“ auf einem Rechner. Als Bonmot darf man auch auf dem Mars fliegen, obwohl die Luft dort um einiges dünner ist.


Peng! Während zivile Flugsimulatoren eher ein Nischendasein fristen, waren Kampfflugspiele seit jeher erfolgreicher. Allerdings ist auch dieses Genre inzwischen fast in Vergessenheit geraten. Ausnahmen bilden die stur fortgesetzte Serie „IL-2 Sturmovik“ und das erst vor Kurzem entwickelte „H.A.W.X.“ beziehungsweise dessen Nachfolger. Letzteres ist aber eher im Bereich der Actionspiele angesiedelt, da das Flugverhalten sehr weit von der Realität entfernt ist.

Dieses Schicksal teilen sich die Titel mit Autorennspielen. Auch hier ist der Anteil an echten Simulationen verschwindend gering, während effektgeladene Blechorgien vom Schlag eines „Need for Speed“ einen Verkaufserfolg nach dem anderen einfahren. Hier zeigt sich in der Spielebranche ein Effekt, den Hollywood schon vor Jahrzehnten erkannt und umgesetzt hat. Das Spektakel interessiert den Zuseher/Spieler weit mehr als realistisches Fahr- oder Flugverhalten. Da kann man dann auch den einen oder anderen Crash in Gebäude verzeihen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2011)