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Staatsdienst: Mehr Frauen, Lohnschere größer

Staatsdienst Mehr Frauen Lohnschere
Heinisch-Hosek(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Das noch unveröffentlichte Personaljahrbuch des Bundes 2011 zeigt: Weibliche Bundesbedienstete haben 16 Prozent weniger Gehalt als Männer. Der Anteil junger Frauen gilt als Hindernis für die Angleichung.

Wien. Die laufende Diskussion um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern erhält jetzt aus dem Bundesdienst neuen Schwung. Dort ist der Unterschied zwischen den Einkommen der weiblichen und männlichen Bediensteten mit knapp 16 Prozent kleiner als im Schnitt in der Privatwirtschaft. Das der „Presse“ vorliegende, noch unveröffentlichte Personaljahrbuch des Bundes 2011 zeigt allerdings eine bemerkenswerte Entwicklung auf: Der Frauenanteil ist im Vorjahr auf 40,3 Prozent gestiegen (2009: 39,8 Prozent; 1995: 35,9 Prozent). Weil aber seit einigen Jahren verstärkt Frauen aufgenommen wurden und diese weniger Dienstjahre und damit niedrigere Einkommen haben, wird vorerst die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern im Bundesdienst nicht kleiner, sondern dürfte sogar größer werden.

42.700 Euro pro Jahr für Frauen


Für das Personaljahrbuch und den Einkommensvergleich auch mit der Privatwirtschaft greift die für den öffentlichen Dienst zuständige Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf Daten zurück, die von der Statistik Austria für den Rechnungshof erhoben wurden. Nach diesen Zahlen, die sich nur auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte beziehen, kamen Frauen 2009 im öffentlichen Dienst im arithmetischen Mittel auf ein Bruttojahreseinkommen von 42.738 Euro. Sie verdienten damit im Schnitt deutlich besser als weibliche Angestellte mit 33.874 Euro.

Bei den Männern ist die Differenz zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft viel kleiner. Öffentlich Bedienstete kamen im Schnitt auf 46.534 Euro brutto pro Jahr, männliche Angestellte auf 45.539 Euro brutto. Im Bericht wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein wichtiges Kriterium, das Durchschnittsalter, im öffentlichen Dienst mit 44,8 Jahren um fast sieben Jahre höher als in der Privatwirtschaft ist.

Das Alter hat im Bundesdienst wiederum den größten Einfluss auf die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Ein Grund ist das Senioritätsprinzip mit automatischen Gehaltsvorrückungen alle zwei Jahre (Biennien). In der Gesamtschau der Einkommen schneiden die Frauen deswegen schlechter ab, weil viele von ihnen erst in den vergangenen Jahren aufgenommen wurden.

Vordienstzeiten fehlen oft

Bei über 30-Jährigen, neu in den Bundesdienst aufgenommenen Beschäftigten sei der Frauenanteil „besonders hoch“, wird im Jahrbuch analysiert. „Durch die begrenzte Möglichkeit zur Anrechnung von Vordienstzeiten befinden sich diese Frauen in einer niedrigeren Gehalts- bzw. Entlohnungsstufe als Bedienstete mit gleichem Durchschnittsalter und früherem Eintrittsdatum“, heißt es.
Bemerkenswert ist der Ausblick im Bericht: Um den Frauenanteil zu erhöhen, würden seit einigen Jahren verstärkt Frauen aufgenommen. Das habe zur Folge, dass das weibliche Durchschnittsalter im Bundesdienst weniger stark ansteige als jenes der Männer oder sogar sinke.
Die Schlussfolgerung im Beamtenressort aus dieser Entwicklung: „Es ist daher zu erwarten, dass sich die altersbedingte Einkommensschere zwischen Männern und Frauen in den nächsten Jahren nicht schließen wird.“ Es sei sogar das Gegenteil „wahrscheinlich“. Eine Reduzierung dieser Einkommenskluft werde erst dann eintreten, wenn sich die Altersstruktur der Frauen an jene der Männer annähert.

Durchschnittsalter 44,8 Jahre

Der Personalstand umfasst 132.804 Bundesbedienstete. Das Durchschnittsalter im Bundesdienst steigt kontinuierlich und lag im Vorjahr bei 44,8 Jahre (gegenüber 44,6 Jahren im Jahr 2009). Damit ist es beispielsweise gegenüber dem Jahr 1995 deutlich gestiegen: Damals war ein Mitarbeiter im Bundesdienst im Schnitt 40,5 Jahre alt. Zum Vergleich: Ein Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft war 2009 im Schnitt nur 37,6 Jahre alt.

Der Anteil der Bundesbediensteten, die älter als 45 Jahre sind, hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Damit war Ende des vergangenen Jahres schon mehr als jeder zweite Bedienstete, nämlich 54,3 Prozent, im Staatsdienst älter als 45 Jahre. 1995 lag der Anteil dieser Altersgruppe bei 35,1 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2011)