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Oberösterreich: Vorwürfe gegen Krankenhaus Ried

Gutachten Vorwuerfe gegen Krankenhaus
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Lebensgefährliche Folgen für eine 31-jährige Patientin nach einer Routineoperation sollen durch falsche Behandlung entstanden sein. Zwei Expertisen bemängeln Dokumentations-, Diagnose- und Therapiefehler.

Linz. Seit Anfang dieses Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Es geht um die möglicherweise fehlerhafte Behandlung einer heute 31-jährigen Patientin im November 2009. Die Vorwurf lautet unter anderem auf fahrlässige Körperverletzung. Die Ermittlungen dauern an – die Aktenlage müsse noch um polizeiliche Einvernahmen ergänzt werden, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft zur „Presse“.

Im Zivilrechtsprozess, den die betroffene G. angestrengt hat, ist man einen Schritt weiter. Die gynäkologischen und chirurgischen Gutachten liegen vor. Während die Operation einer Endometriose (eine gutartige Wucherung außerhalb der Gebärmutter) im Krankenhaus nach den Regeln der Kunst durchgeführt worden sei, bemängeln die Gutachter Dokumentations-, Behandlungs- und Therapiefehler danach. Diese Verkettung soll mit einer „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ die Folgen der Bauchfellentzündung, die als „schicksalhafte Komplikation“ nach der Operation entstanden war, erschwert haben.

Die Vorwürfe beziehen sich auf eine lückenhafte Dokumentation etwa der Fieberkurve, auf einen um das 24-Fache erhöhten Entzündungswert, der festgestellt, aber auf den nicht adäquat reagiert wurde, sowie auf die falsche Behandlung der unentdeckten Bauchfellentzündung  mit Wärmeapplikationen und Akupunktur. Eine Abklärung der dokumentierten krampfartigen Schmerzen und anderer Symptome „wäre medizinisch indiziert gewesen“, habe jedoch tagelang nicht stattgefunden, bevor die Patientin sich einer womöglich vermeidbaren Notoperation hatte unterziehen müssen.

Die Folgen der lebensbedrohenden Situation: G. erlitt einen septischen Schock, akutes Nierenversagen, lag fünf Tage im künstlichen Tiefschlaf. Sie bekam vorübergehend einen künstlichen Darmausgang, 13 Zentimeter des Dickdarms wurden entfernt. Im Krankenhaus bedauere man den Leidensweg von G., sagt der ärztliche Leiter, Werner Habicher, Behandlungsfehler könne er jedoch nicht erkennen. Fieber sei gemessen, nur nicht eingetragen worden.

„Symptome nicht eindeutig“

Ein erhöhter Entzündungswert nach einer Operation sei zudem nichts Ungewöhnliches, auch die krampfartigen Schmerzen seien nicht eindeutig zuzuordnen gewesen, rechtfertigt der ärztliche Leiter die Vorgehensweise: „Schon vor der Operation wurde die Patientin stationär wegen großer Schmerzen behandelt.“

„Es steht fest, dass das Krankenhaus Fehler gemacht hat“, widerspricht Harald Schnötzlinger, der Anwalt von G. Geklärt werden solle die Causa bei einer Gutachtenserörterung, die in den nächsten Tagen veranlasst werden soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2011)