Türkische Immigranten: Wie Ostereier-Suchen die Integration fördert

Die türkisch-deutsche Schriftstellerin Necla Kelek gastierte mit ihren Thesen bei der Wiener VP.

WIEN. "Es ist Aufgabe jedes Landes, Immigranten das Gefühl der Heimat zu vermitteln", sagt Necla Kelek. Die deutsch-türkische Soziologin und Buchautorin, die am Donnerstag und Freitag auf Einladung der ÖVP in Wien weilte, will den Staat in Sachen Integration in die Pflicht nehmen. "Schon im Kindergarten muss man beginnen, eine Bindung zum Land aufzubauen", so Kelek. Schule und Kindergarten sollen zu einem deutschen Sprach- und Kulturraum werden. Kinder von Migranten sollen die Chance haben, an der Kultur teilzuhaben: "Türkische Kinder sollen auch Ostereier suchen dürfen."

So soll den Kindern ein Gegenmodell zur islamischen Tradition gezeigt werden, die sie in ihrem Elternhaus erleben. Nach Ansicht der Autorin grenzen türkische Eltern ihre Kinder von der Gesellschaft aus, indem sie ihnen etwa die Teilnahme am Schwimmunterricht verbieten würden. Und auch das einigen Mädchen aufgezwungene Tragen des Kopftuches sieht sie als Degradierung: "Kopftuchtragen ist Körperverletzung."

Das Berufen auf religiöse Tradition will sie dabei nicht gelten lassen: "Religionsfreiheit bedeutet auch, keine Religion haben zu dürfen." Vielmehr sollten Kinder zu Individuen erzogen werden, die selbst entscheiden, ob und welche Religion sie ausüben wollen.

In diesem Zusammenhang sieht sie den Staat gefordert, dessen Pflicht es sei, das Recht auf persönliche Entfaltung zu gewährleisten: "Derzeit wird die Religionsfreiheit über dieses Recht gestellt."

Kelek fordert weiters, dass sich die Gesellschaft einmischen müsse und man Immigranten "nicht als Mündel behandeln" dürfe. Vor allem dürfe die ihrer Ansicht nach nur scheinbar schlechte ökonomische Lage der Migranten nicht als Ausrede gelten: "Auf der einen Seite wird behauptet, dass türkische Familien kein Geld für Deutschkurse oder Schulbücher haben, aber auf der anderen Seite ist etwa bei einer Hochzeit plötzlich das Geld für eine riesige Feier da."

Eheschließungen sind es auch, an denen sie die Integrationsunwilligkeit - den von Innenministerin Liese Prokop ins Spiel gebrachten Begriff unterstützt sie ausdrücklich - von Muslimen festmacht. So läge der Anteil von muslimischen Migranten, die in den vergangenen 40 Jahren eine Ehe mit einem deutschen Partner eingegangen habe, bei vier Prozent - bei allen anderen Migrantengruppen hingegen bei 40 Prozent.

Die Autorin ist in Wissenschaftskreisen heftig umstritten. Ihr wird vorgeworfen, Einzelfälle zu verallgemeinern. Zudem würde sie zwischen den Begriffen "Migranten" und "Islam" zu unscharf unterscheiden. Auch die Defizite der "Aufnahmegesellschaften" würden in ihrer Forschung nicht ausreichend thematisiert, die Schuld an mangelnder Integration nur Immigranten selbst gegeben.


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