Ein neues Verfahren zum Einbau von Genen ermöglicht es, an Katzen zu testen, ob die Virenabwehr von Affen auch bei ihnen wirkt und vielleicht an Menschen.
Nicht nur Menschen erleiden Aids, auch Katzen tun es, und auch bei ihnen gehen die Opfer in die Millionen. Aber nun sollen sie beiden helfen, sich und uns: Eric Poeschla (Mayo Clinic, Rochester) hat ein neues Verfahren erfunden, transgene Katzen zu bauen – das bisherige, Klonen mit Zellkerntransfer, ist bei diesen Tieren extrem ineffizient –, und er hat damit zwei Fremdgene eingebaut. Eines lässt die Tiere unter UV-Licht grün leuchten, das ist nur partiell Show, in der Hauptsache zeigt es, ob auch der Einbau des zweiten Gens gelungen ist: Das heißt TRIMCyp, und es bzw. sein Protein schützt Makaken vor der Affenversion von Aids (SIV). Nun soll getestet werden, ob es auch Katzen gegen ihr Aids (FIV) resistent macht oder gar Menschen gegen das ihre (HIV) – die Varianten des HI-Virus sind eng verwandt, aber nicht so eng, dass sie etwa von Katzen auf Menschen kommen können.
Aber erst muss TRIMCyp in die Zellen der Katze. Das neue Verfahren nutzt ein Virus als Fähre, es bringt die Gene in die noch unbefruchtete Eizelle. Dann wird sie befruchtet und Katzen eingepflanzt. Von 22 Tieren wurden fünf trächtig, mit insgesamt elf Embryos, zehn davon leuchteten, fünf kamen lebend zur Welt: Das ist eine Erfolgsrate von 23Prozent (beim Kerntransfer liegt sie bei Katzen bei drei Prozent). Schließlich wurden diese Jungen mit FIV infiziert, das Virus vermehrte sich in ihnen schlecht (Nature Methods, 11.9.).
Das ist allerdings nicht das letzte Wort: Zum einen muss geprüft werden, ob es sich schlecht genug vermehrt. Und zum anderen kann diese Gentherapie nur neue Wege zur HIV-Abwehr weisen, selbst angewandt werden könnte sie nicht. Denn sie ist eine „Keimbahn-Therapie“, bei der Gene in den gesamten Körper eines Embryos eingebaut werden. Das unterscheidet sie von der „somatischen Therapie“, bei der kaputte Gene in bestimmten Geweben von Erwachsenen repariert werden sollen. Somatische Therapie war Ende der 1980er-Jahre die große Hoffnung, sie hat sich zerschlagen, deshalb kam Ende der 1990er der Ruf nach Keimbahn-Therapien: Aber die wären an Menschen nicht eben praktikabel – wem sollte man ein HIV-Resistenzgen einbauen, allen Embryos? –, und sie sind aus ethischen Gründen tabu, öffnen den Weg zum Menschen nach Maß.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2011)