Warten auf den Brechdurchfall

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Einladungen von Lobbyisten sind wie alter Eiaufstrich: Die bösen Folgen kommen stets mit Zeitverzögerung.

Gibt es in dieser Republik eigentlich irgendjemanden, der noch nicht auf Einladung des „Grafen“ jagen war? Wenn man sich die Berichtslage der letzten Tage vor Augen führt, muss man beinahe den Eindruck gewinnen, in den Wäldern des Burgenlands und auf den Hochebenen Schottlands rege sich kein Pfötchen und keine Feder mehr vor lauter fremdfinanzierter Knallerei all der Ministersekretäre, Industriellenvereiniger und Cheflobbyisten von der früheren k. k. Post- und Telegraphenverwaltung.

Ich kann mich in die Seelenlage dieser Herren sehr gut hineinversetzen, nicht nur deshalb, weil ich mich vor drei Jahren im Zug einer Recherche der abgeschiedenen Schönheit der Gegend rund um Dalnaglar Castle vergewissern durfte. Nein, auch in mir tobt dieses ungewisse Bangen, diese Sorge, dass einen der flatterhafte Leichtsinn der Jugend eines Tages doch mit bleierner Schwere in die Knie zwingt. In meinem Fall sorgen allerdings nicht die Jagdeinladungen samt Diner im Kerzenschein und Butler im Kilt für Flauheit, sondern ein Sandwich, das ich auf der Fahrt zum Plenum des Europaparlaments in Straßburg an einer Luxemburger Tankstelle erworben, aber nicht sofort verzehrt habe. Es war, glaube ich, mit einer Art Ei-Mayonnaise-Aufstrich gefüllt und roch am Dienstagmittag, während ich dies hier schrieb, noch genießbar.

Es wäre wohl vernünftiger gewesen, davon die Finger zu lassen, aber vielleicht erwischt es mich ja doch nicht: Ob sich so mancher der gräflichen Jagdgäste das heute auch denkt? Ich hoffe jedenfalls inständig, dass in der Küche besagter Luxemburger Tankstelle andere hygienische Standards eingehalten werden als in Österreichs Innenpolitik. Dort ist das Warten auf den Brechdurchfall nämlich schon seit Langem vorbei.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2011)

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