Die Winzer-Vereinigung WienWein hat ab 2006 eben jenen Wein zu ihrem Zugpferd ernannt. Bei WienWein beträgt der Anteil in den Rebflächen bis 56 Prozent. Mittlerweile bieten sie auch verschiedene Varianten an.
Wien. Das, was einst aus der Not heraus entstanden ist und eine Art „Sozialversicherung der Natur“ war – wie Winzer Richard Zahel den Anbau und die Vinifizierung verschiedener Rebsorten in einem Weingarten nennt –, entwickelt sich heute zu einem höchst erfolgreichen Produkt: der Wiener Gemischte Satz.
Die Winzer-Vereinigung WienWein (Christ, Cobenzl, Edlmoser, Mayer am Pfarrplatz, Wieninger und Zahel) hat ab 2006 eben jenen Wein zu ihrem Zugpferd ernannt. Das Engagement für die ursprünglichste Variante des Weines macht sich nun bezahlt. Kaum ein Restaurant, das etwas auf sich hält, will auf einen Gemischten Satz in der Weinkarte verzichten. „1989 habe ich erstmals versucht, einen Gemischten Satz zu verkaufen, damals wurde ich ausgelacht. Ich hab sechs Flaschen verkauft, heute sind es mehr als 100.000“, sagt Zahel. Insgesamt liegt der Anteil der Sorte bei 15 bis 17 Prozent, weiß sein Kollege Fritz Wieninger. „Und das wird jetzt durch die neue Verordnung noch wesentlich mehr werden“, ist er überzeugt. Für den heurigen Jahrgang gelten erstmals wesentlich strengere Auflagen. Wer etwa nicht mindestens drei verschiedene Rebsorten in Wien anbaut und verarbeitet, darf den Wein nicht mehr so bezeichnen. Die WienWein-Winzer freut das besonders. „Vorher haben wir das für uns als Gentlemen's Agreement festgelegt. Wir waren damit so erfolgreich, das plötzlich jeder einen Gemischten Satz hatte, egal ob die Reben schon im Weingarten gemischt wurden“, so Wieninger.
Die Winzer-Gruppe schenkt der Sorte auch mengenmäßig viel Aufmerksamkeit. Während wienweit der Anteil bei 15 bis 17 Prozent liegt, beträgt er bei den WienWein-Winzern zwischen 25 (Wieninger) und 56 (Cobenzl) Prozent. Mittlerweile bieten sie den Wiener Gemischten Satz auch in verschiedenen Varianten an – vom leichten Trinkwein bis zur Grand Reserve.
Aber nicht nur der Anteil des Wiener Gemischten Satzes wächst, sondern auch die Größe der Rebflächen. Derzeit werden in Wien etwa 700 Hektar bewirtschaftet. „80 bis 100 Hektar mehr sind aber sicher noch drinnen“, sagt Rainer Christ. Vor allem in Oberlaa, am Bisamberg und (etwas weniger) am Nussberg wäre noch etwas frei. Christ selbst will seine Weingärten im nächsten Jahr von 25 auf 29 Hektar erweitern. „Dann ist aber Schluss, sonst fehlt mir der persönliche Bezug.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2011)