Der Siegeszug der Automatik: Schaltstock Ade

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Selbst im Getriebe rühren, das ist bald eine Sache von gestern. Unseren Autos kommt der Schaltstock abhanden. Ist das ein Grund zur Trauer?

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Wie sollen sich in der Zukunft eigentlich Fahrschüler blamieren? Ohne Kupplungspedal kann man keinen Motor abwürgen. Was der Engländer idiot start nennt – mit Automatik unmöglich. Ist das zu bedauern? Der Siegeszug der Automatik ist jedenfalls unaufhaltsam. Früher war sie das Privileg der oberen Fahrzeugklassen. (Es gibt Ausnahmen, wie Anfang der Sechziger die Variomatic des kleinen Daffodil, mit der man ebenso schnell vorwärts wie rückwärts fahren konnte.) In schweren Limousinen überließ man das Sortieren der Gänge immer schon dem Drehmomentwandler. Der hatte zuerst zwei, dann drei, dann stolze vier Gänge. Heute verkehren viele Modelle von Audi, BMW und Mercedes ausschließlich mit Getrieben, die sieben oder acht Gänge beflissen verwalten. Und die Neungangautomatik ist in den letzten Phasen der Erprobung. Schließlich hat man das alte Prinzip genau umgekehrt: Moderne Automaten brauchen nicht mehr Sprit als der Handschalter, sondern weniger. Trotz der vielen Gangstufen sind die Getriebe klein und leicht geworden, und die Elektronik ist viel schlauer als der Fahrer. Sie kommuniziert nicht nur pausenlos mit Motor und Gaspedal, sie erfährt auch vom Navi, wie die Straße weiterläuft – ob es zum Beispiel gleich bergauf geht oder ob das Getriebe zurückschalten soll, weil ein paar lustige Kurven anstehen. Der Mensch im Auto wird in Zukunft
ausreichend damit beschäftigt sein, Kram aus dem Internet zu laden,
E-Mails zu lesen oder SMS zu diktieren. Die Kupplung zu treten, um dann Zahnräder zu wechseln, darauf wird er gut verzichten können. Sinnstiftend nennt Lancia Modelle mit Automatik „DFN“ – für dolce far niente, das süße Nichtstun. Nur im Sportwagen will man nicht vom Knüppel lassen. Weil es aber trotzdem mehr Gänge braucht, um Sprit zu sparen, hat der neue Porsche 911 weltweit erstmalig einen Handschalter mit sieben Gängen. Das wär doch was für Fahranfänger. e

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