Train the Trainer: "Man kann nicht einfach stehen bleiben"

Symbolbild
(c) EPA (ALESSANDRO DELLA BELLA)

Wer Menschen beim Lernen und Persönlichkeitsentwicklung begleitet, sollte auf die eigene Weiterbildung nicht vergessen. Denn nur wer am Ball bleibt, kann das auch weitergeben. Einige Beispiele fürs Weiterlernen.

Ob Managerseminare, Coachings zu Spezialthemen oder Medien- und Krisentrainings – der Trainingsmarkt boomt. Die Gründe sind vielfältig, zu den wichtigsten gehören die immer komplexer werdende Geschäftswelt und das Bedürfnis nach lebenslangem Lernen. Doch obwohl es an Trainings und Trainern keinen Mangel gibt, sind die wirklich guten rar.

„Man darf gerade als Trainer nie fertig sein; 20 Jahre lang mit den gleichen Methoden zu arbeiten, geht in diesen Job nicht“, so Susanne Riegler, Leitung Trainingskommunikation Wifi Wien. Riegler weiß, wovon sie spricht, denn sie ist nicht nur hausintern zuständig für alle Trainer, sondern unterrichtet auch selbst im Lehrgang „Trainer für Erwachsenenbildung“. Ziel sei es, den Teilnehmern das methodische und didaktische Werkzeug zu vermitteln, um erfolgreich als Trainer oder Coach tätig sein zu können. Das Besondere an der Ausbildung ist der modulartige Aufbau – sprich, die Teilnehmer finden sich für die einzelnen Lernmodule in immer neuen Gruppen zusammen. „Das ist nicht zuletzt auch im Traineralltag der Fall“, so Riegler.

Der Wifi-Lehrgang ist – nach erfolgreich bestandenem Assessmentcenter – in eine Basis-, Aufbau- und Spezialausbildung gegliedert, auf die eine Prüfung folgt. Teil der Grundausbildung sind unter anderem Themen wie Kommunikation, Präsentationstechnik und Seminargestaltung. Zur Aufbauausbildung gehören darüber hinaus Moderation, Konfliktmanagement und Sprechtechnik. Im Rahmen der Spezialisierung müssen die Lehrgangsteilnehmer mindestens ein Seminar absolvieren – zur Auswahl stehen unter anderem Persönlichkeitsentwicklung, Spielpädagogik, Mindmapping oder Gender Mainstream und Diversity Management.

 

Trau, schau wem

Einen ungewöhnlichen Ausbildungsweg hat Gregor Fauma gewählt. Der Leiter der Trainings-Unit bei der PR-Agentur Bettertogether hat, bevor er selbst in die Rolle des Trainers schlüpfte, zwei Jahre lang als Trainingsassistent gejobbt und war sich damit nicht zu schade für Tätigkeiten wie das Austeilen von Unterlagen oder das Bedienen des Videorecorders. „Ich hatte damals stundenlang Zeit, Ablauf und Inhalt der Trainings genau mitzuverfolgen. Wenn man wie ich das Glück hatte, für die besten Trainer zu arbeiten, dann lernt man einfach unheimlich viel“, sagt der studierte Verhaltenswissenschafter. Eine einschlägige Ausbildung hat er nicht abgeschlossen, was er mit dem fehlenden Praxisbezug begründet.

Dieses Manko vieler Trainerausbildungen hat Ina Biechl dazu bewogen, den Diplomlehrgang für Trainingskompetenz ins Leben zu rufen. „Ich hatte den Eindruck, dass viele Absolventen mit ihren Ausbildungen nichts anfangen können“, so die erfahrene Trainerin. Ein gutes theoretisches Fundament sei zwar wichtig, helfe aber nichts, wenn man nicht weiß, was man damit anfangen kann. Ihr Ziel sei es, dass die Lehrgangsteilnehmer die Übungen gleich „spüren“. „Wir schneiden die Ausbildung auf die Persönlichkeit der Teilnehmer zu. Schließlich hat jeder andere Stärken und auch einen anderen Zugang“, so Biechl. Die Module sind darauf ausgerichtet, dass die Teilnehmer ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. „Dafür ist es wichtig, dass ihnen ihr eigenes Selbstverständnis bewusst gemacht wird. Erst wenn man eine bestimmte Werthaltung hat und Standpunkte vertritt, kann man auch andere akzeptieren.“ Zum Trainer eignet sich laut der Expertin nicht jeder. „Introvertierte Persönlichkeiten werden es in dem Job eher schwer haben“. Gefragt sei vor allem ein stark ausgeprägter Wille, mit Menschen arbeiten zu wollen. Sie führt deshalb mit den Lehrgangsteilnehmern in spe Einzelgespräche, um herauszufinden, was sie mit der Ausbildung anfangen wollen. „Fachkompetenz muss jeder mitbringen.“

 

Rollenwechsel

Laut Riegler befindet sich die Trainerrolle in einem Wandel. „Gefragt sind heute Lernberater und -begleiter und nicht reine Vortragende, die aus ihrer Praxis berichten. Vielmehr sollte die Praxis der Teilnehmer im Vordergrund stehen – sprich, die Kompetenzen, die sie für bestimmte Situationen brauchen“, sagt sie. Diese Entwicklung hin zur „Unterstützung beim Selbstlernen“ erfordere nicht nur ein Umdenken seitens der Trainer, sondern auch der Teilnehmer. „Man hatte in der Vergangenheit oft den Eindruck, dass sich die Teilnehmer im Rahmen der Ausbildung mit Wissen berieseln lassen, in der Hoffnung, schon irgendetwas mitnehmen zu können.“ Den stärksten Bedarf an Trainern macht Riegler derzeit bei hochspezialisierten EDV- und rechtlichen Themen sowie in den Bereichen Rechnungswesen, Change Management und Verkauf/Vertrieb aus. Letztere seien deshalb so gefragt, da sich Unternehmen – wie immer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – gegenüber ihrem Mitbewerb abheben wollen. „Insgesamt werden derzeit eher Trainings zu fachlicher als zu sozialer Kompetenz nachgefragt“, so die Expertin. Trotz des schwer abzustreitenden Überangebots an Trainern macht sie dem Nachwuchs Hoffnungen, denn: „Es ist schwer Leute zu finden, die sowohl faktisch als auch didaktisch gut sind.“ Und genau darauf komme es an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2011)