Soll Europa eine Steuer auf alle Finanztransaktionen einführen? Das Treffen der EU-Finanzminister in Polen hat dieser Frage neue Relevanz verschafft. Vor zwei Jahren war es ein Hirngespinst. Heute will der deutsche Finanzminister „in diese irrationale Beschleunigung der Finanzmärkte ein Element der Entschleunigung“ bringen.
Die atemberaubende Geschwindigkeit des Wertpapierhandels ist ein Problem für unsere Gesellschaft. Den Händlern entgleitet allzu oft die Kontrolle über ihre Maschinen. Der „Flash-Crash“ vom 6. Mai 2010 vernichtete allein am US-Leitindex Dow Jones binnen Minuten eine Billion Dollar. Und das traf nicht nur gierige Raffzähne. Jeder Börsenkrach schädigt Pensionsfonds und damit die Altersvorsorge der Mittelschicht.
Wenn eine winzige Steuer das Geschäft mit millionenfachen Mikro-Umsätzen unrentabel machen kann, ohne Kleinanleger und Sparer zu schädigen, dann sollte man sie einführen – aber weltweit. Ein Alleingang Europas, wie ihn die Finanzminister nun ins Auge fassen, würde nur den irrational beschleunigten Händlern in New York, Zürich und Schanghai dienen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2011)