Kathrin Zechner: Workaholic-Frau im ORF

Kathrin Zechner WorkaholicFrau
Wrabetz und Zechner(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Nach zehn Jahren Abstinenz kehrt Kathrin Zechner in den ORF zurück. Sie wird erste TV-Direktorin und damit mächtigste Medienfrau des Landes. Am 1. Jänner 2012 tritt sie ihren Job an.

Würde die Metapher nicht dem Bild dieser zierlichen Person diametral widersprechen, man wäre geneigt, Kathrin Zechner als „Kugelblitz“ zu bezeichnen. Energiegeladen und vor Tatendrang strahlend, trat sie am Donnerstag vor die Presse, um gestikulierend über ihre künftige Aufgabe als Fernsehdirektorin des ORF zu plaudern. Sie habe „irrsinnige Lust“ auf den Job, den sie Anfang 2012 antritt, und wolle „mit 48 noch einmal richtig Gas geben“. Das will man gern glauben. Noch heute erinnern sich ehemalige Mitarbeiter im ORF lebhaft daran, wie sie arbeitet: Geht nicht gibt's nicht. Und die Richtgeschwindigkeit ist Vollgas! Das bescherte Zechner Beinamen wie „Kathrin Düsentrieb“, „Supergirl“ oder „Madame 100.000Volt“. Sie zeugen von Qualitäten, mit denen sich die gebürtige Grazerin vom „Kaffeefräulein“ zur ab 2012 mächtigsten Medienfrau des Landes hochgearbeitet hat.


Per Jobhopping zum Erfolg.
Das normale Pensum war und ist ihr nie genug: Zechner studierte Jus sowie Theaterwissenschaft und Politologie, arbeitete während des Studiums für die UNO, begann 1986 im ORF und avancierte zur Referentin des Generalsekretärs. 1991 machte sie Gerhard Zeiler zur Unterhaltungschefin von Tele5 in München. Im Zickzack ging es dann die Karriereleiter hinauf: 1992 wechselte sie zum TV-Produzenten Endemol. 1994 machte Zeiler als ORF-General die erst 31-Jährige zur Programmintendantin. Auch Gerhard Weis wollte auf die umtriebige und resolute Managerin nicht verzichten. Unter ihrer Verantwortung entstanden Erfolgsformate wie „Vera“, „Schiejok täglich“, „Willkommen Österreich“, „Taxi Orange“ und Film- und Serienproduktionen wie „Dolce Vita“, „Julia“ und die Verfilmung von Alfred Komareks „Polt“-Romanen (mit Zechners langjährigem Lebensgefährten Erwin Steinhauer).

Doch Monika Lindner, die 2002 im ORF-Tanker ans Ruder kam, hatte andere Pläne: Sie wollte Zechner als Landesintendantin nach Graz wegloben. Zechner lehnte ab. Sie wollte – u.a. wegen Söhnchen „Stani“ (*1999) – nicht von Wien weg. Auch wäre es keine Herausforderung gewesen, sondern bloß ein – wenn auch hoch dotierter – Versorgungsposten. Einige Ideen Zechners lagen zu dem Zeitpunkt noch in der Schublade – von der „Daily Soap“ bis zu Comedy-Sendungen. Und wenn sie nicht mit ihrer Arbeit von sich reden machte, dann mit ihrem Outfit: Mal sah man sie im Strickpulli, dann im Hosenanzug, im Minirock oder in der Lederjacke, mit Bubikopf oder Löwenmähne, riesigen Modeschmuck-Klunkern oder nahezu ungeschminkt, oft auch in den Society-Spalten – ein Chamäleon mit Sinn für Mode, Chick... und Selbstinszenierung.

Nach dem Abschied aus dem ORF begann Zechner 2002 als künstlerische Leiterin bei den Vereinigten Bühnen Wien, deren Intendantin sie 2004 wurde. Ihre Ära wird von kundigen Beobachtern als „durchwachsen“ bezeichnet: Erfolgen mit „Rebecca“ und der Wiederaufnahme von „Tanz der Vampire“ stehen Misserfolge mit „Rudolf“ oder „The Producers“ gegenüber. Auf der Habenseite kann sie für sich verbuchen, John Malkovich und Paul Auster ans Wiener Ronacher geholt zu haben.


Zechner, die "Lokomotive".
Doch nach der Premiere von „Sister Act“ am Donnerstag im Ronacher wollte die Intendantin keine Rede mehr schwingen. Am Nachmittag war sie vom ORF-Stiftungsrat zur TV-Direktorin bestellt worden. Für sie sei es ein „Heimkommen“, sagt sie – und nennt sich eine „Lokomotive, die den Zug zieht“. Die ist nicht nur Antrieb, sie fährt selbst dann geradeaus, wenn rechts und links Granaten einschlagen. Seit 1974 ist Zechner die erste Fernsehdirektorin – und tritt so in die Fußstapfen des letzten Amtsinhabers: Helmut Zilk. Sie wird nicht nur das Programm, auch die Information verantworten: „Ich fühle mich dafür nicht nur zuständig. Ich bin es auch.“ Dreinreden lassen will sie sich nicht. Einflüsterer, wenn nicht Granatwerfer aus ORF oder den politischen Parteien dürften es schwer mit ihr haben. Denn: „Ich bin eine Workaholic-Frau, die sich nur am Programm und am Publikum orientiert.“

Kathrin Zechner (* 17. 5. 1963 in Graz) studierte Jus, Theaterwissenschaft und Politologie.

Ab 1986 Mitarbeiterin im ORF. 1991 holte Gerhard Zeiler sie zu Tele 5 als Unterhaltungschefin, 1992 Wechsel zu Endemol. 1994 engagiert sie Zeiler, der ORF-General wurde, als Programmintendantin. Ab 2002 werkte Zechner bei den Vereinigten Bühnen Wien, seit 2004 ist sie dort Intendantin.

Am 1. Jänner 2012 tritt Zechner ihren Job als mächtige Programmdirektorin des ORF an: Sie ist dann für Programm und Information zuständig.