Höchste Zeit für einen Brandschutzabschluss

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Die Finanzkrise bereichert unser Denken und Sprechen um einige bemerkenswerte Wörter.

Die Finanzkrise, die bekanntlich drüben bei den Amerikanern begann und jetzt bei uns in Europa vor sich hin finanzkriselt, hat uns einerseits viel Ungemach beschert. Andererseits bereichert sie Tag für Tag unseren Wortschatz und hilft uns somit bei der Selbsterkenntnis. Wer hätte sich zum Beispiel vor dem budgetären Bauchfleck Griechenlands denn ein so fantastisches Wort wie „Europäische Finanzstabilisierungsfazilität“ ausdenken können? Niemand.

Ganz ehrlich: „Finanzstabilisierungsfazilität“ beschreibt unseren Zustand ziemlich treffend. Von „Stabilisierung“ ist bisher nichts zu sehen. „Fazilität“ wiederum ist eines dieser ungemein populären Verschleierungswörter, deren man sich stets dann bedient, wenn man nur ja nicht allzu klar sagen will, was Sache ist: Wörter wie „Migrationshintergrund“ für Leute, die Angst vor dem Wort „Ausländer“ haben, oder „Herausforderung“ für all jene, die sich davor scheuen, das Bestehen eines Problems einzugestehen.

Die Finanzkrise hat meinen bescheidenen Wortschatz zudem auf gänzlich andere Weise erweitert, nämlich Sonntagabend auf dem Flughafen München. Dort wäre ich nie gewesen, hätte mich die Lage der Dinge und der Drang der Stunde nicht vom informellen Finanzministertreffen im schönen Wrocław alias Breslau zurückreisen lassen. Während wir – lies: das halbe Brüsseler Pressekorps – dort so saßen und des Flugs nach Hause harrten, fiel mein Blick auf ein kleines feuerpolizeiliches Hinweisschild. Dort stand geschrieben: „Brandschutzabschluss“. So nennt der Fachmann schiebbare Feuertüren, doch mein überreizter Geist regte sich hoffnungsvoll: Das Ende der Krise naht. Denn wir haben endlich ein Wort für das, was der Zweck all der Rettungsaktionen sein soll.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2011)

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