Umfrage: Deutsche Wirtschaft stagniert

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Konjunktur(c) APN (Eckehard Schulz)
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Deutschland fällt laut der Studie, bei der 4000 Unternehmen befragt wurden, als Wachstumsmotor für die Eurozone aus.

Der deutschen Wirtschaft geht unter der Last der Schuldenkrise in Europa und des Abschwungs der Weltkonjunktur die Luft aus. Ihre Geschäfte wuchsen im September so langsam wie seit über zwei Jahren nicht mehr. "Deutschland fällt damit als Wachstumsmotor für die Euro-Zone so gut wie aus", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson am Donnerstag zu der Umfrage seines Instituts unter rund 4000 Unternehmen in der Währungsunion.

Das Deutsche Finanzministerium rechnet aber nicht mit einer Rezession. "Jedoch ist mit Blick auf die vorlaufenden Konjunkturindikatoren im weiteren Jahresverlauf für die Gesamtwirtschaft mit einem eher moderaten Wachstumstempo zu rechnen", schrieb es in seinem Monatsbericht.

"Erholung steht auf der Kippe"

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft sank auf 50,8 Punkte von 51,3 im August. Das Barometer fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2009 und hielt sich nur knapp über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. "Die Erholung der deutschen Wirtschaft steht auf der Kippe", sagte Markit-Experte Tim Moore. "Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister stagnieren nahezu."

In beiden Sektoren gingen die Neuaufträge zurück. Die Industrie musste die stärksten Einbußen bei den Exportaufträgen seit fast zweieinhalb Jahren hinnehmen. Auch das Finanzministerium sagt den erfolgsverwöhnten Exporteuren schwierigere Zeiten voraus. "Dafür sprechen die nicht so günstigen Wirtschaftsdaten aus den USA sowie die eher schwache Entwicklung im Euroraum", hieß es in seinem Monatsbericht. 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Währungsunion, in der Länder wie Spanien, Italien und Griechenland mit ihren harten Sparprogrammen die Konjunktur belasten.

"Leichtes Wachstum im dritten Quartal"

Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Markit-Experten kaum noch ein Wirtschaftswachstum. "Im dritten Quartal dürfte es nur zu einem sehr leichten Wachstum reichen", sagte Chefvolkswirt Chris Williamson. "Im vierten Quartal kann es sogar zu einem Schrumpfen kommen." Die Bundesbank erwartet dagegen für Juli bis September eine kräftige Erholung und sieht keine Rezessionsgefahren.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist erstmals seit mehr als zwei Jahren geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im September auf 49,2 Punkte von 50,7 im August. Damit sank das Barometer zum ersten Mal seit Juli 2009 unter die Wachstumsmarke von 50 Punkten. "Die Erholung ist vorbei", sagte Markit-Chefvolkswirt Williamson. "Die nach vorn blickenden Indikatoren deuten darauf hin, dass es in den kommenden Monaten noch weiter bergab gehen wird." Das sieht auch die Commerzbank so. "Die Verunsicherung durch die eskalierende Staatsschuldenkrise hat ein bedrohliches Ausmaß erreicht", sagte ihr Ökonom Christoph Weil. "Der Euroraum ist der Rezession gefährlich nahe." Eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) werde damit wahrscheinlicher. Sie hat bereits signalisiert, den Leitzins entgegen der ursprünglichen Erwartungen vorerst nicht weiter anzuheben.

(APA)

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