Der Wiener Thomas Bogdanowicz fasziniert durch eine
lockere Erzählweise atemberaubender Deals.
Fragen nach dem außergewöhnlichem Mut kann er
kaum befriedigend beantworten, zu selbstverständlich
erscheint ihm sein eigener Weg. Seine Frau ist Hebamme,
er hat eine 16-jährige Stieftochter und eine vierjährige
Tochter. Der begeisterte Segler und Snowboarder
liebt das Meer und die Berge.
Begonnen hat alles mit den Ungarn, die im Jahr 1988 die Mariahilfer Straße stürmten und in einem einzigen Geschäft PCs einkauften. Zur gleichen Zeit sollte der 22-jährige WU-Student Thomas Bogdanowicz gemeinsam mit zwei Kollegen einen Businessplan bei Prof. Rolf Eschenbach am Institut für Unternehmensführung schreiben. Natürlich hatten die drei das Ziel, einmal selbst ordentlich Geld zu machen und ein Unternehmen zu gründen.
Also fackelten die "Hungrigen" nicht lange, ließen das Theoretisieren, begannen mit dem Assembling von Computern (die Teile wurden aus Taiwan und Asien importiert) und verkauften die fertigen PCs lastwagenweise nach Ungarn. Der vife und vor Geschichten übersprudelnde Dealmaker Bogdanowicz merkte aber sehr bald, dass ein Großteil der gelieferten Ware mit 100 Prozent Aufschlag in die Sowjetunion wanderte.
Über den Vater einer Freundin, der eine Ostexport-Firma besaß, bekam er einen Termin im sowjetischen Forstministerium. Aus fünf Tagen Moskau wurden fünf Wochen. Bald lieferte seine Firma BGS, die den Technikchef von Herlango abgeworben hatte, ihre Unit-Computer bis in den Ural und nach Sibirien: "Je weiter weg, desto höher war der Preis. Die haben von Computern nix verstanden und aus Asien gab es keine Konkurrenz." Nach zwei Jahren machte die Studententruppe über eine Milliarde Schilling Umsatz. Der Fokus lag aber schnell auf Kompensationsgeschäften und Joint Ventures im Chemie- und Holzbereich. Der Visionär wollte raus aus dem projektbezogenen Handelsgeschäft hin zu langfristigen Perspektiven. "Ich denke, mein Erfolg ist mit Offenheit und Ehrlichkeit zu erklären. Wir waren zwar hungrig, wollten aber nicht gleich reich werden. Andere haben viel mehr Geld verdient. Wir sind unseren Partnern in einer Art und Weise begegnet, die diesen besser gefallen hat."
Wegen zu geringer Eigenkapitalmittel musste 1992 ein Großteil des mittlerweile in Osteuropa entstandenen Firmengeflechts verkauft werden. Ein Crash, der den innovativen Geist aber nur noch mehr anstachelte, immer neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Nach der russischen Bankenkrise 1991 baute die BGS innerhalb von vier Monaten ein neues Clearingsystem für die russische Zentralbank auf.
Für die mächtige Sberbank, die in den 90er Jahren 38.000 Filialen hatte (heute 28.000) und in der drei Viertel der gesamten russischen Spareinlagen liegen, entwarf die BGS ein neues System für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Die BGS Smartcard funktioniert wie eine Kreditkarte, jedoch ohne eine Onlineverbindung zu benötigen, womit sie sich auch für den Einsatz in weniger entwickelten Regionen eignet. Die Buchung erfolgt sicher und billig über ein einfaches Security-Modul direkt von Karte zu Karte. Die Betrugsrate beträgt null, die Transaktionszeit 0,12 Sekunden, die Zahlung wird zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Onlineverbindung von der Karte an die Bank übersendet. Heute, nach Verkauf der meisten Anteile, ist Bogdanowicz Aufsichtsratsvorsitzender der BGS Smartcard Systems AG, an der auch die Firma Berndorf beteiligt ist, und die bargeldlosen Zahlungsverkehr vor allem in Russland, Usbekistan, Oman, Ägypten und Indien bereit stellt.
Doch das ist nur eines von drei Standbeinen des begeisterten Seglers. An der UCP Chemicals AG (UralChimPlast), die nördlich von Jekaterinburg über 2450 Mitarbeiter beschäftigt und mit Kunstharzen im Jahr 2005 101,7 Millionen Dollar Umsatz und einen ausgewiesenen Gewinn von 6,7 Millionen Dollar erwirtschaftete, hält der smarte Geschäftsmann mit seinem Partner Alexander Gerdt zu gleichen Teilen 75 Prozent. Das Headquarter der Holding steht in Wien. Das Werk im Ural ist mit 160 Hektar überbauter Fläche größer als die dortigen Anlagen der OMV.
Und dann ist da noch der Immobilienbereich. Mit seiner Metis Holding AG investiert er in Immobilienprojekte und betreibt Immobilienentwicklung in Osteuropa (vor allem Russland), der Türkei und Österreich.