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Ahmadinejad, der letzte Partyschreck der UN-Vollversammlung

(c) AP (Vahid Salemi)
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UN-Rede: Irans Präsident stellte erneut den Holocaust und die 9/11-Anschläge in Frage.

[New York] Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi ist abgetaucht, Venezuelas Staatschef Hugo Chavéz unterzieht sich einer Chemotherapie. Die Rolle des bizarren Partyschrecks blieb bei der UN-Vollversammlung heuer Mahmoud Ahmadinejad vorbehalten.

Auch heuer zog Irans Präsident gegen die „arroganten Kolonialherren" des Westens vom Leder. „Mit ihrem imperialistischen Mediennetzwerk bedrohen sie jeden, der den Holocaust oder 9/11 in Frage stellt, mit Sanktionen oder sogar Militäraktionen", sagte er am Donnerstagabend (MESZ). Die Anschläge vom 11. September 2001 hieß er „mysteriös" und fragte: „Warum wurde Bin Laden getötet und ins Meer geworfen?" Eine Lösung der Probleme der Welt hatte er auch parat. „Mahdi", der ultimative Erlöser, werde Frieden bringen.

Delegationen vieler Länder, auch Österreichs, verließen aus Protest den Saal. Schon vor der Rede waren Wellen der Empörung über New York geschwappt. Die Gruppe „Vereint gegen einen atomaren Iran" mietete für 700 $ ein Zimmer im „Warwick"-Hotel, wo Ahmadinejad abstieg. Zur Begrüßung affichierte sie Protestplakate.
Es ist mittlerweile ein Ritual der Erregung, zu dem Ahmadinejad mit seinen Tiraden vor der UNO zuverlässig neue Anstöße gibt. Bereits im Vorjahr hatte er die USA öffentlich verdächtigt, hinter 9/11 zu stecken. Und davor hatte Ahmadinejad in verschiedensten Variationen dazu aufgerufen, Israel von der Landkarte zu wischen.

Positive Signale aus Teheran

Irans Regime war diesmal aber auch bemüht, die Atmosphäre positiv zu beeinflussen. Am Mittwoch ließ man zwei US-Wanderer frei, die 2009 an der iranischen Grenze verhaftet und wegen Spionageverdachts gefangen gehalten wurden. Sie landeten in der Nacht auf Donnerstag im Oman, der eine Million Dollar Kaution für sie bezahlt hatte.

Auch Ahmadinejad war zunächst um einen versöhnlichen Ton bemüht. Im Interview mit der „New York Times" bot er an, die Uran-Anreicherung „noch diese Woche" einzustellen, wenn im Gegenzug die internationale Gemeinschaft den Iran „ohne Vorbedingungen" mit dem Nuklearmaterial versorgen würde. Dies wäre auch billiger für die Islamische Republik, beteuerte der Präsident.
Der Iran steht seit Langem im Verdacht, das angereicherte Uran für den Bau von Atomwaffen abzweigen zu wollen. Seit fast neun Jahren befindet sich Teheran deshalb schon im Konflikt mit der internationalen Gemeinschaft.

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton offerierte dem Iran am Donnerstag neue Gespräche, aber nur, wenn Teheran ernsthaft bereit sei, die Befürchtungen über eine militärische Dimension seines Atomprogramms zu zerstreuen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)