Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Managementtraining: Der mit dem Wolf lernt

Managementtraining Wolf lernt
(c) EPA (Olivier Matthys)
  • Drucken

Um die Skills für Leadership und Kommunikation zu verfeinern, wird Führungskräften einiges geboten. Ein Streifzug vom Tiercoaching zum Sprachengolf.

Seminarraum war gestern? Könnte man meinen. Denn um aus der Menge von Anbietern herauszustechen, setzen einige Trainer und Coaches auf „draußen lernen“. Doch alleine damit, unter freiem Himmel zu sein, ist es lange nicht getan: Zwischen dem abenteuerlich anmutenden Griff in den Wolfspelz oder dem im Vergleich dazu „harmlosen“ Gebrauch des Golfschlägers gibt es eine bunte Palette an Möglichkeiten. Von dem ungewöhnlichen Seminarsetting versprechen sich die Experten neue Erkenntnisse und einprägsame Erlebnisse.

Körpersprache am Prüfstand


Die Idee, Managementworkshops mit Wölfen abzuhalten, kam Patricia Staniek nach einem Besuch des Wolf Science Center in Ernstbrunn. „Der Wolf kann jemanden innerhalb von Sekunden einordnen und gibt dadurch aufschlussreiches Feedback – etwa wenn er zu einem Menschen keinerlei Kontakt sucht“, so die Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Management Pilots. Ist Letzteres der Fall, so könne das bedeuten, dass  es einem Manager auch schwerfallen dürfte, Kontakt beziehungsweise einen guten Draht zu seinen Mitarbeitern aufzubauen.
In vielen Fällen gelte es nur, an Kleinigkeiten zu arbeiten, wie etwa die eigene Körpersprache zu überdenken. „Wichtig ist es, den Blickkontakt zu wahren und sich entspannt zu verhalten“, rät Staniek. Denn Wölfe seien sehr stark auf Körpersprache sensibilisiert. „Bei einer zu schnellen Bewegung sind sie weg.“


Obwohl es sich bei den Ernstbrunner Wölfen um Tiere handelt, die laut Staniek ohne Konflikte mit dem Menschen aufgewachsen sind, gilt es dennoch, eine Reihe von Verhaltensregeln einzuhalten. Denn ganz ausschließen kann man einen Angriff nie, weshalb sich für den Fall der Fälle für jeden Wolf ein Mitarbeiter in der Nähe befindet. „Um die Tiere nicht ,auszubeuten‘, findet die ,Wolf Experience‘ nur an höchstens zwölf Tagen im Jahr statt“, erklärt Staniek. Die nächsten Termine sind am 17. und 18. November. Aufgenommen werden maximal zwölf Teilnehmer, von denen sich jeweils nur sechs auf einmal im Wolfsgehege aufhalten dürfen. Die Kosten für das zweitägige Training liegen bei 1690 Euro, ein Teil geht an das Wolf Science Center.

Nicht nur zum Wiehern


Ähnlich wie Wölfe geben auch Pferde eine klare Rückmeldung, sie zählen mittlerweile zu den „Veteranen“ im tiergestützten Coaching. „Sie spiegeln das Verhalten und die Emotionen der Menschen. Ist jemand nicht bei der Sache, so wird er vom Pferd einfach stehengelassen“, berichtet der Unternehmensberater und Coach Robert Koch. Er leitet das Institut für pferdegerechte Kommunikation und ist stellvertretender Obmann vom Verein Pferdecoaching. „Aus den Reaktionen der Pferde können Aufschlüsse über Unstimmigkeiten im Denken, Fühlen und Handeln von Führungskräften und Managern getroffen werden“, sagt Koch. Ziel sei es, sich seiner Ressourcen und Kompetenzen bewusster zu werden.

Angeboten werden sowohl Einzel- als auch Gruppencoachings. Durch Übungen wie das Führen eines Pferdes sollen die Manager Teamfähigkeit und richtiges Führungsverhalten lernen. „Das Pferd wird einem am Strick nur dann folgen, wenn der Führende klar weiß, wohin er geht“, so Koch. Diese Erkenntnis lasse sich eins zu eins auf den beruflichen Alltag übertragen.

Parlieren am Golfplatz


Gänzlich ohne Tiere kommt man bei Berlitz aus – alltäglich sind die Lernmethoden deshalb aber nicht. Geboten werden Intensivsprachtrainings sowie Business-Seminare zu Themen wie interne Kommunikation oder Business Communication – am Golfplatz. „Dadurch verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen“, sagt Key Account Manager und Unternehmenssprecher Thomas Kalian. Der Ablauf sei ähnlich wie jener im Klassenzimmer – sprich, erfolge nach der hauseigenen Methode. „Ein formalisierter Grammatikunterricht findet nicht statt“, erklärt Kalian.

Vielmehr werde durch Zuhören und Sprechen – unterstützt durch Lesen und Schreiben – gelernt. Bei den Trainern handelt es sich um Native Speaker, die in ihrer Muttersprache unterrichten. „Damit wird nicht nur das Lernen der richtigen Aussprache und Grammatik sichergestellt, sondern auch die Anwendung eines repräsentativen Vokabulars“, so Kalian.

Eisiger Schrecken


Mit etwas härteren Bedingungen müssen sich die Teilnehmer eines weiteren von Management Pilots angebotenen Workshops auseinandersetzen. Anstatt in einem gediegenen Rahmen den Golfschläger zu schwingen, stehen bei „Auf den Spuren der Polarforscher“ unter anderem Eiswandern, Eisfischen und Übernachten im selbst gebauten Iglu auf dem Programm. „Durch den Workshop sollen Führungskräfte und Unternehmer Leadership in Krisensituationen lernen“, so Staniek. In der Softvariante dürfen sie auch im Hotel nächtigen. Die Trainingsidee geht auf den Polarforscher Sir Ernest Shackleton zurück, der 1914 mit einem Forschungsschiff zu einer Antarktisexpedition aufbrach, die allerdings alles andere als nach Plan verlief: Nachdem das Schiff untergegangen war, mussten Shackleton und sein 27-köpfiges Team zwei Jahre lang unter widrigsten Bedingungen überleben. Dass alle gerettet werden konnten, wird einzig auf die Führungsqualitäten des Briten zurückgeführt.