Ist Freundschaft möglich? Unter Kollegen?

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)
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Freundschaft zwischen Frauen und Männern ist fast unmöglich. Und zwischen Männern?

Ich scheine absolut kein Talent für Freundschaften zu haben. Der eine ist in ein anderes Bundesland geflüchtet, der andere ins Ausland, der dritte ins Priesterseminar, der siebente in den Alkohol. Angesichts derartiger Erfahrungen könnten auch ein paar Dutzend Facebook-Pseudofreundschaften seelenhygienisch wenig bewirken. Dass das Aufrechterhalten einer Freundschaft (und nichts als einer Freundschaft) zwischen Mann und Frau schwierig bis unmöglich ist, darüber hat man schon die eine oder andere Zeile gelesen, die eine oder andere Filmminute gesehen. Ist Freundschaft überhaupt möglich? Die Frage schafft keine Freude. Tagelang quält sie schon.

Immerhin ist, will man synchronen Meldungen vertrauen, die Freundschaft zwischen zwei Protagonisten eines Phänomens, das meist als Austropop bezeichnet wird, öffentlich zerbrochen. Es muss dummer Zufall sein, dass W. Ambros ausgerechnet in der Woche der Präsentation seiner Biografie mit dem vermeintlichen „Haberer“ R. Fendrich abgerechnet hat. So weit, so interessant im Mikrokosmos Österreich. Dahinter eröffnet sich aber die generelle Frage: Müssen Kollegen, Konkurrenten gar, Freunde sein? Oder so tun, als ob sie Freunde wären? Ein Herr namens Falco hat aus seiner Distanz zu den Austropop-Darstellern nie ein Hehl gemacht. Und war relativ erfolgreich. Aber was bedeutet das für uns? Im eher wenig glamourösen Alltag? Reicht es im Beruf, nicht eingetragene (Zweck-)Partnerschaften zu schließen? Soll, darf Distanz gewahrt werden? Wir müssen uns wohl selbst die Antwort geben, bevor uns noch ein Coach verhaftet.

Apropos Distanz: Freund G. (ich darf ihn so nennen?) ist (siehe Beginn) nur noch selten zu erreichen. Gestern hatte er Geburtstag. Ich hab an ihn gedacht.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)

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