Ende Oktober eröffnet in der Albertinapassage ein neues Lokal. Zielpublikum sind ältere und vermögende Gäste. Gelockt werden sollen sie mit Jazzkonzerten und österreichisch-amerikanischer Küche.
Wien. „Nein, das wird keine Disco, sonst würden wir uns ja selbst Konkurrenz machen“, sagt Matthias Kamp, während er durch die Albertinapassage führt. Derzeit befindet sich in der einstigen Fußgängerunterführung bei der Oper noch eine Baustelle. Was hier in den nächsten Wochen entstehen soll, lässt sich nur erahnen. Kamp, der mit Sunshine Enterprises den Radiosender Superfly und mehrere Lokale betreibt, will nun nach der erfolgreichen Disco in der Babenberger Passage – treffender Name „Passage“ – ein neues Konzept in der Albertinapassage verwirklichen.
Ein Dinnerclub mit Livemusik soll es werden, Ende Oktober, spätestens Anfang November ist der Start geplant. Quasi eine erwachsene Variante der „Passage“ soll das neue Lokal werden – und dieser somit nicht in die Quere kommen. „Gehobenes Wiener Publikum und Gäste aus den Ringstraßenhotels“ will Kamp mit dem neuen Konzept ansprechen.
Essen statt tanzen
Statt einer Tanzfläche gibt es im 640 Quadratmeter großen Hauptraum 300 Sitzplätze auf drei Ebenen, eine lange Bar und eine Bühne. Essen statt tanzen lautet das Motto. Alexander Kumptner, ehemaliger Schüler von Reinhard Gerer, wird für die Küche verantwortlich sein. Zumindest im Hintergrund. Gerer selbst soll beratend zur Seite stehen. „Besonderes Augenmerk legen wir auf klassische österreichische Küche, mit leichten amerikanischen Anleihen“, sagt Kamp. „Das zieht sich durchs ganze Konzept. Vienna classic meets the new world.“ Darauf ist der Unternehmer besonders stolz. Immerhin gibt es in der Stadt kein vergleichbares Lokal, das sich den drei Komponenten Bar, Essen und Musik auf dieser Größe widmet.
So soll also nicht nur die Barkultur, sondern auch die Musik an das Amerika der 50er- und 60er- Jahre erinnern. Heimische und internationale Jazzmusiker werden ebenso auftreten wie Pianisten, Sänger und DJs zum Ausklang – „aber keine elektronische Musik“.
Insgesamt vier Millionen Euro hat Kamp mit seinen Kollegen von Sunshine Enterprises in das Projekt gesteckt. Laut ORF Wien beträgt die monatliche Miete 15.000Euro. Inklusive Künstlergarderoben, Büros und „Members' Room“ neben der Küche beträgt die Fläche 1700 Quadratmeter. Den Gästen stehen lediglich 900 davon zur Verfügung. Neben dem Hauptraum, in dem Rauchen verboten ist, wird es auch einen Raucherbereich und eine Zigarrenlounge geben.
Öffnen will Kamp von Dienstag bis Sonntag jeweils von 17 bis vier Uhr. Von der Möglichkeit, bis sechs Uhr offen zu halten, will er nicht Gebrauch machen. „Da will ich den Ball eher flach halten, es sind deshalb eh alle gerade hysterisch in der Stadt. Ich glaube auch nicht, dass das Publikum, das wir ansprechen wollen, so lange bleibt.“ Der Eintritt ist übrigens frei. Das gewünschte Zielpublikum will man mittels gehobenerer Preise und entsprechendem Dresscode ansprechen. Geht alles nach Plan, könnten am 29.Oktober im neuen Club Keni Burke und das Superfly Radio Orchestra spielen. Vom zuletzt eher ramponierten Erscheinungsbild der 1964 eröffneten Passage – eine Zeitlang war sie auch als Schwulenstrich bekannt – wird dann wohl nichts mehr zu spüren sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)