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Dürre in Ostafrika: Islamisten lösen Hunger-Camps auf

(c) EPA (DAI KUROKAWA)
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Die al-Shabaab-Milizen, die weite Teile des Bürgerkrieglandes Somalia kontrollieren, bringen hungernde Somalier aus den Flüchtlingslagern zurück in ihre Dörfer. Wie sie dort versorgt werden sollen, bleibt unklar.

Mogadischu/Wien/Ag/Zoe. Mit Lastwagen werden die Menschen, die sich in Camps außerhalb der somalischen Stadt Baidoa geflüchtet haben, zurück in ihre Dörfer gebracht. Der Hunger hat sie in die Stadt getrieben, dort wollen sie die radikal-islamistischen al-Shabaab- Milizen aber nicht mehr haben: Rund 12.000 hungernde Familien müssen die Flüchtlingslager verlassen und zurück in ihre ursprünglichen Dörfer. Dort hat sich allerdings nichts geändert: Ihre Felder sind verdorrt, das Vieh verendet. Die letzten beiden Regenzeiten dort sind ausgefallen.

„Wir haben begonnen, die Menschen zurück in ihre Dörfer zu schicken, wo sie Hilfe bekommen“, sagte Sheik Mahad Abu Safiya, ein ranghoher Vertreter der Shabaab-Miliz. Sie bekommen Nahrungsmittelpakete, bestehend aus Reis, Mais und Öl mit auf den Weg. Laut Shabaab-Miliz sollen die Vorräte für etwa drei Monate reichen, Betroffene sprechen von höchstens einem Monat. Antworten darauf, wie die angekündigte Nahrungsmittelhilfe in den einzelnen Dörfer vonstattengehen soll, gibt die Miliz aber keine.

 

Machtkampf verschärft Krise

Die Islamisten kontrollieren weite Teile des Bürgerkrieglandes Somalia und terrorisieren die Bewohner des ostafrikanischen Landes. Die Übergangsregierung, die lediglich in der Hauptstadt Mogadischu das Sagen hat, versucht seit Langem, die Miliz zu zerschlagen. Dieser Machtkampf hat die Lage der Hungernden dramatisch verschärft.

Die Übergangsregierung beschuldigt die Shabaab-Milizen, Vorräte an Mais und anderem Getreide aus den Lagerhallen gestohlen zu haben und der Bevölkerung systematisch Nahrungsmittel zu entziehen. Die Milizen lassen keine internationalen Hilfsorganisationen in jene Gebiete, die sie kontrollieren. Und gleichzeitig verweigert die Übergangsregierung Helfern den Zutritt, weil sie es für zu gefährlich hält.

Erst vor wenigen Tagen haben Sicherheitskräfte zwei Mitarbeiter einer türkischen Hilfsorganisation vorübergehend festgenommen, weil sie in einer von Shabaab-Milizen kontrollierten Region unterwegs waren. Die Begründung: Die Regierung wolle nicht, dass Ausländer auf Rebellen träfen.

Vergangene Woche forderten Hilfsorganisationen einen umfassenden Dialog aller Konfliktparteien, um Zugang zu den am schlimmsten betroffenen Provinzen zu erhalten und die Hungerkatastrophe in den Griff zu bekommen. Dass die Forderung nach einem Ende der Feindseligkeiten allerdings Gehör findet, erscheint nur allzu unwahrscheinlich. Internationale Organisationen pochen auch auf die Errichtung eines „Schutzkorridors“, durch den Hilfslieferungen passieren können.

 

750.000 Menschen gefährdet

Allein in Somalia sind vier Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Etwa 750.000 Menschen könnten sterben, greift die Hilfe nicht bald, warnten die Vereinten Nationen vor einigen Wochen. Sechs Provinzen im Süden des Landes gelten derzeit als Hungerzonen.

Insgesamt sind am Horn von Afrika knapp 13 Millionen Menschen von der Dürre betroffen. Viele machen sich auf der Suche nach Nahrung auf den Weg in Flüchtlingslager.

Besonders in Kenia platzen diese Camps aus allen Nähten: Nach Dadaab, dem größten Lager in Kenia, kommen täglich zwischen 1000 und 1500 Menschen, der Großteil aus dem benachbarten Somalia. Auch in Äthiopien wurden einige dieser Camps eingerichtet.

Spendenkonten

Ärzte ohne Grenzen: Konto-Nr. 930.40.950, BLZ 60.000, Kennwort: "Somalia-Krise", Online spenden

Diakonie: Konto-Nr. 231.33.00, BLZ 60.000, Kennwort "Dürre in Afrika"; Diakonie online spenden

Caritas: Konto-Nr. 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort "Hungerhilfe"; Caritas online spenden

CARE: 1.236.000, BLZ 60.000; CARE online spenden

Unicef: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: "Kinder Horn von Afrika"; Unicef online spenden

Kindernothilfe: Konto-Nr. 92.144.077, BLZ 60.000, Kennwort "Dürre Afrika"; KNH online spenden

Menschen für Menschen:Konto-Nr. 7.199.000, BLZ 60 000, Kennwort Äthiopien Nothilfe

World Vision 90.890.000, BLZ 60.000, Kennwort: ''Hunger Afrika''; online spenden: www.worldvision.at

SOS-Kinderdorf 1.566.000, BLZ 60.000, Kennwort "Ostafrika"; online spenden: www.sos-kinderdorf.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2011)