Ein unter Mordverdacht stehender Oberösterreicher darf vorübergehend zu seiner kranken Frau nach Österreich ausreisen. Für den Prozess schöpft er Hoffnung.
Es muss ein Moment des Glücks gewesen sein, wie er zuletzt im Leben von Eugen Adelsmayr selten geworden war. Am Mittwoch um 5.37 Uhr landete der 50-jährige Medizinier, der in Dubai wegen Mordverdachts vor Gericht steht, am Flughafen Wien-Schwechat. Der Oberösterreicher durfte aus "humanitären Gründen" aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau nach Österreich reisen.
"Ich bin aber trotz aller Erleichterung über die Rückkehr in keiner Jubelstimmung. Das Problem in Dubai ist noch nicht gelöst", sagte Eugen Adelsmayr in Schwechat. Obwohl Österreich keine Garantie abgibt, dass Adelsmayr wieder in den Wüstenstaat zurückkehrt, will er sich dem weiteren Prozess in Dubai stellen. "Aufgeben liegt mir nicht", erklärte er. "Ich freue mich auf alles zu Hause, auf meine Frau, meine Söhne, auf den Hund."
Das bisher letzte Mal war Adelsmayr zu Weihnachten 2009 in Österreich. Dass er jetzt aus humanitären Gründen aus Dubai ausreisen durfte, kam für ihn überraschend. "Ganz realisiert habe ich das noch nicht, das wird noch ein paar Tage dauern", sagte der 50-Jährige. Nach einer kurzen Pressekonferenz in Schwechat flog er weiter nach Salzburg, wo er bereits von seinem Sohn erwartet wurde. "Ich werde jetzt zuerst nach Hause fahren und dann gleich weiter zu meiner Frau", so Adelsmayr.
Was ausschlaggebend für die Ausreiseerlaubnis war, könne man nicht eindeutig sagen: "Da spielen viele Faktoren eine Rolle, es gab wochenlange Bemühungen. Das Außenministerium hat viel getan, es sind auf allen Ebenen Gespräche geführt worden", meinte der Mediziner.
Lange Zeit sah es so aus, als würden diplomatische Bemühungen Österreichs in der Causa sogleich im Wüstensand verlaufen. Der Bundespräsident schaltete sich ein, ein Expertenteam des Außenministeriums wurde nach Dubai geschickt, doch der Erfolg blieb aus. Und jetzt dieser große Sprung, den Außenminister Michael Spindelegger im Anschluss an den gestrigen Ministerrat als Erfolg der österreichischen Diplomatie verkündete.
Arzt will Unschuld beweisen
Adelsmayrs Aufenthalt in Österreich dürfte – zunächst zumindest – kurz ausfallen. Der Prozess wird schon am 16. Oktober fortgesetzt, der Arzt hat stets betont, seine Unschuld der Justiz der Emirate beweisen zu wollen. "Es ist keine verlockende Zukunftsperspektive, von Interpol als Mordverdächtiger verfolgt zu werden", meinte Adelsmayer.
Dem Mediziner, von Februar 2006 bis April 2009 Leiter der Chirurgischen Intensivstation des Rashid-Hospitals in Dubai, wird vorgeworfen, den Tod eines schwer verunglückten pakistanischen Arbeiters im Februar 2009 verschuldet zu haben. Der Strafrahmen für Mord reicht in Dubai bis zur Todesstrafe.
Adelsmayr wird von Ex-Arbeitskollegen zur Last gelegt, durch die Erhöhung der Morphiumdosis und der Reduktion von Sauerstoff einen Herzstillstand provoziert zu haben. Weiters hätte er die Reanimation des Patienten untersagt. Der Oberösterreicher hat diese Vorwürfe stets bestritten; eine Wiederbelebung habe er nie verunmöglicht. Hingegen habe er einen Herzschrittmacher für den Patienten verlangt; der sei aber wegen „zu hoher Kosten in diesem hoffnungslosen Fall“ von der Spitalsleitung abgelehnt worden. Zum Todeszeitpunkt des Patienten sei er schon 36 Stunden nicht mehr im Dienst gewesen.
Pikant ist, dass im Rashid-Hospital zu dieser Zeit eine offizielle „Do not Rescusitate“-Politik in Kraft war, wonach die Wiederbelebung von schwer verletzten Patienten gar nicht erst gestattet gewesen wäre (das Dokument liegt der „Presse“ vor). In den Emiraten war diese spitalsinterne Anordnung jedoch eigentlich illegal. Für das Spital – und die Gesundheitsbehörden – könnte das Bekanntwerden dieser Tatsache äußerst unangenehm sein. Ein österreichischer Kollege Adelsmayrs vermutet wiederum, dass Ex-Kollegen des Arztes die Anschuldigungen aus Missgunst erfunden hätten.
(Ag./red.)