Konjunktur: Ifo-Index dämpft Rezessionsängste

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Symbolbild(c) AP (Daniel Roland)
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Der deutsche Geschäftsklimaindex fällt im September zum dritten Mal in Folge, aber weniger stark als Experten im Vorfeld befürchteten. Das gibt Anlass zu Hoffnung. Eine Rezession zeichnet sich (noch) nicht ab.

München/Heso/Ag. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt gedrückt, konstatiert das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo bei seinem monatlichen Konjunkturtest. Der deutsche Geschäftsklimaindex ist nach Rückgängen in den beiden Vormonaten im September weiter gefallen, von 108,7 auf 107,5 Punkte.
Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate sanken auf 98 Punkte und damit erstmals seit Langem auf einen Wert unter 100. Positiv ist, dass der Rückgang insgesamt geringer ausfiel, als Experten im Vorfeld angenommen hatten. Das gibt  Anlass zu der Hoffnung, Deutschland könnte einer Rezession entgehen.
Der monatlich erhobene Geschäftsklimaindex ergibt sich aus den Einschätzungen von 7000 befragten Unternehmen und gilt als ein wichtiger Indikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Bei drei Rückgängen in Folge rechnen Volkswirte mit einer Trendwende in der Konjunkturentwicklung.
Aufgrund des schwächeren Wachstums und der Schuldenkrise waren im Vorfeld befragte Experten von einem Rückgang des Index auf 106,5 Punkte ausgegangen. Dass deutsche Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage nur um 0,2 Punkte schlechter als im Vormonat bewerteten, hat den Rückgang aber entschärft. „Die weiterhin gute Lage der Unternehmen zeigt, dass sich die deutsche Konjunktur bislang von den politischen Turbulenzen abkoppeln konnte“, befindet ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Aktienmärkte reagieren positiv

Schuld an der neuerlichen Abkühlung des Geschäftsklimas ist vor allem die schlechtere Erwartungshaltung der deutschen Firmenchefs. Die globalen Rezessionssorgen und die Schuldenkrise haben nicht nur bei den Anlegern, sondern auch in den Unternehmen Verunsicherung ausgelöst.
Bernd Weidensteiner, Analyst bei der Commerzbank, ortete ebenfalls ein „insgesamt schlechtes Nachrichtenumfeld“, zeigte sich aber optimistisch: „Die Lage ist immer noch nahe dem Rekordstand. Das deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft an einer Rezession vorbeikommen könnte.“
Auch WestLB-Analyst Jörg Lüschow liest aus den Zahlen keine drohende Rezession heraus: „Die Lage in Deutschland ist nicht so schlecht, wie es die Märkte derzeit widerspiegeln.“ Im dritten Quartal sei das Wachstum noch einmal recht kräftig ausgefallen, künftig dürfte es aber unterdurchschnittlich sein.
Die Aktienmärkte reagierten jedenfalls positiv: Der deutsche Leitindex DAX und der Eurostoxx legten nach der ifo-Mitteilung am Montag zeitweise 3,5 Prozent zu und erholten sich damit von der Talfahrt der vergangenen Woche.

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