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Investoren werfen Gold auf den Markt

Symbolbild
(c) Bilderbox / Erwin Wodicka

Das glänzende Edelmetall ist eines der wenigen Investments, die seit Jahresbeginn im Plus sind. Viele machen es nun zu Geld. Derzeit bezahlt man für Feinunze 1190 Euro. Langfristig sollte Goldpreis aber steigen.

Wien. Der Goldpreis hat eine scharfe Korrektur hinter sich. Innerhalb von drei Wochen rutschte er von mehr als 1900 Dollar je Feinunze auf unter 1600 Dollar ab. Inzwischen hat er sich wieder ein wenig erholt. In Euro bezahlt man für eine Feinunze derzeit etwa 1190 Euro. Wer zu Jahresbeginn in Gold investiert hat, hat damit noch immer gut 13 Prozent verdient. „Gold ist eine der wenigen Anlageklassen, die seit Jahresbeginn positiv sind“, sagte UBS-Analyst Edel Tully zur Agentur Bloomberg. „Investoren, die Cash brauchen, verkaufen jetzt am ehesten Vermögenswerte, die zugelegt haben.“

 

Physisches Gold gefragt

Dabei werfen die Investoren vor allem „Papiergold“ auf den Markt. Ursache sind auch stärkere Anforderungen an die Händler: So will der Terminbörsenbetreiber CME Group die erforderlichen Sicherheiten erneut anheben. Das setzte auch dem Silberpreis zu, der auf 28 Dollar und damit ein Tief seit Jahresbeginn abrutschte.

Die Nachfrage nach physischem Gold sei nach wie vor intakt, stellt Erste-Analyst Ronald Stöferle fest. Das zeige, dass es keine Panik auf dem Markt gebe. Was dafür spricht, dass es sich um keine Trendwende, sondern nur um eine Korrektur handelt, sind die niedrigen Zinsen. Bei solchen wirkt der Nachteil des Goldes, dass es keine Zinsen abwirft, weniger schwer.

Die Schuldenkrise in Europa und den USA ist noch längst nicht gelöst, sodass Anleger Gold weiterhin als sicheren Hafen betrachten dürften. (Der zweite sichere Hafen, der Schweizer Franken, hat angesichts die Intervention der Schweizerischen Nationalbank ein wenig an Attraktivität eingebüßt). Drittens sei die Nachfrage aus China und Indien hoch, sagt Stöferle. Mehr als die Hälfte der globalen Nachfrage nach Goldmünzen und -barren stammt von dort. Demnächst werde in Indien die traditionelle Hochzeitssaison eingeläutet. An seiner Prognose, dass der Goldpreis Mitte nächsten Jahres wieder bei 2000 Dollar liegen dürfte hält Stöferle daher fest. Auch Raiffeisen-Analyst Manuel Schuster glaubt, dass Gold auf Jahressicht ein gutes Investment ist. Der steile Absturz der vergangenen Tage lasse allerdings befürchten, dass es zwischenzeitlich noch weiter nach unten gehen könnte. Anleger sollten sich auf Schwankungen einstellen: Wer in Gold investieren will, sollte auf physisches Gold oder ETFs (das sind Wertpapiere, die den Goldpreis abbilden) setzen. Bei Hebelprodukten (bei solchen werden Gewinne und Verluste vervielfacht; geht es zu stark nach unten, droht Totalverlust) sollte man angesichts der hohen Volatilität aber vorsichtig sein.


Eher Korrektur als Trendwende

Auch der Chart sieht eher nach vorübergehender Korrektur als nach Trendwende aus. Der Goldpreis liegt noch immer deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 200 Tage. Das bedeutet, dass er zuletzt sehr steil angestiegen ist und nun ein wenig korrigiert wird. Ein Abwärtstrend wäre erst dann gegeben, wenn er unter 1480 Dollar (auf dieses Zwischentief rutschte er Anfang Juli) oder gar unter 1300 Dollar je Feinunze (das vorletzte Zwischentief von Ende Jänner) fiele.

Was die Euphorie zuletzt ein wenig gedämpft hat, waren auch die schrumpfenden Inflationsängste. Nicht nur die Notenbanken, auch die Anleger rechnen in den nächsten Jahren nicht mehr mit allzu starker Teuerung. Damit haben die Investoren einen Grund weniger, in Gold zu investieren. „So übertrieben waren die Inflationssorgen vorher aber auch nicht“, schränkt Schuster ein.

 

Tipp 1

Umfeld. Ob Gold ein sinnvolles Investment ist, hängt von der eigenen Markterwartung ab. Normalerweise profitiert der Goldpreis von niedrigen Zinsen (die in nächster Zeit wahrscheinlich sind) und hoher Inflationsangst (die abnimmt). Nur langfristig gilt aber, dass der Goldpreis steigt, wenn die Aktienkurse fallen (und umgekehrt).

Tipp 2

Physisch oder Papier. Wer Barren kauft, hat Kosten durch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis– es sei denn, er handelt privat. Zertifikate bilden den Goldpreis nach, man trägt aber das Risiko, dass die Bank pleite geht. ETFs sind dagegen häufig physisch mit Gold unterlegt. Goldminenaktien folgen eher dem Aktienmarkt als dem Goldpreis.

Tipp 3

Schwankungen. Angesichts der Nervosität der Märkte ist in nächster Zeit mit Schwankungen zu rechnen. Man sollte nur jenes Geld in Gold investieren, das man in der nächsten Zeit nicht unbedingt braucht. Vorsichtig sollte man auch bei Hebelprodukten sein. Bei ihnen werden Gewinne und Verluste vervielfacht, im Extremfall droht Totalverlust.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2011)