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Datenschützer: "Lückenloser Schutz ist zu teuer und zu umständlich"

Symbolbild
(c) AP (Thomas Kienzle)
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Datenschützer Hans Zeger zeigt sich über die Hacker-Veröffentlichungen von Polizeidatensätzen nicht überrascht. Zeger fordert beim Umgang mit intimen Informationen ein Umdenken. Denn Daten seien nie harmlos.

Wien. Die Hacker-Gruppe AnonAustria hat erneut für Aufregung gesorgt und am Montag fast 25.000 Datensätze von österreichischen Polizisten ins Netz gestellt. Für Hans Zeger von der Datenschutzorganisation Arge Daten kommen die Veröffentlichungen ebenso wie die jüngsten Angriffe auf die GIS (Gebühren Info Service), wenig überraschend. „Mit dem entsprechenden Aufwand ist jedes System zu knacken, jeder Computer zu manipulieren“, sagt Zeger im Gespräch mit der „Presse“.

Über weite Strecken werde sehr leger mit Sicherheitsmaßnahmen umgegangen, Österreich schneide im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. Nur zehn Prozent der Systeme seien hierzulande ausreichend geschützt. Auch bei heimischen Behörden und Ministerien seien trotz intensiverer Bemühungen immer wieder Defizite festzustellen. „Vor allem bei der Datenübertragung herrscht Nachholbedarf“, meint Zeger, der sich in Sachen Datenweitergabe von Insidern gespalten zeigt. AnonAustria hatte nämlich behauptet, nicht über einen Hackerangriff an die Daten gekommen zu sein. Sie seien ihnen „zugänglich gemacht“ worden.

„Wenn wir das Zuspielen von Daten infrage stellen wollen, sollten wir mit der Datenverarbeitung vielleicht ganz aufhören“, so Zeger. Denn die Weitergabe persönlicher Daten sei Teil der Informationsgesellschaft geworden. „Mit diesen Mitteln werden heutzutage politische und soziale Konflikte öffentlich ausgetragen.“ Wolle man dieser Entwicklung einen Riegel vorschieben, biete sich nur die alte Regel „Nur keine Daten sind gute Daten“ an. Denn jede Konzentration von sensiblen Informationen, etwa die aktuell diskutierte Speicherung von Gesundheitsdaten, laufe irgendwann Gefahr, „zu explodieren wie Tschernobyl“.

 

Datensparsamkeit und Schutz

Zeger mahnt grundsätzlich einen vorsichtigeren Umgang mit Daten ein, auch wenn es vermessen sei, hundertprozentigen Datenschutz zu fordern, da er zu teuer und zu umständlich sei. „Aber es gibt nach wie vor zu viele Listen, Tabellen und Register“, warnt Zeger. „Wir müssen die Menge an Daten beschränken und mit Mindeststandards schützen.“ Das sei mit dem Absperren eines Autos zu vergleichen. „Jeder sperrt seinen Wagen ab, bevor er ihn irgendwo stehen lässt. Wohl wissend, dass das bei einem professionellen Einbrecher keinen Schutz vor Diebstahl bietet.“ Aber das Absperren stelle für den Dieb zumindest ein Hindernis dar. Wie im realen Leben dürfe es auch in der Cyberwelt Hackern nicht zu leicht gemacht werden, an Informationen zu gelangen. Schließlich setze auch der Gesetzgeber für den Tatbestand des Hackens die Überwindung einer wahrnehmbaren Hürde voraus. Hier müsse es zu einem Umdenken kommen, so Zeger. Denn „Harmlose Daten gibt es nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2011)