Das Gerücht, dass Demi Moore nach einem Seitensprung von Ehemann Ashton Kutcher die Scheidung will, beschäftigt Fans und Medien. Vergangenes Jahr hatte das „Star Magazine“ über einen Seitensprung berichtet.
Es hat fast schon etwas vom Orakel von Delphi – eine von toxischen Dämpfen berauschte Priesterin spricht ein paar wirre Sätze, in die dann eine Prophezeiung hineininterpretiert wird. Die Rolle des Orakels übernimmt im aktuellen Fall der Nachrichtendienst Twitter. Und die herausgelesene Prophezeiung ist die, dass sich Ashton Kutcher und Demi Moore getrennt haben. Oder auch nicht, schließlich haben es Orakel gelegentlich so an sich, dass sie schwer zu interpretieren sind – und dass sie auch gern überinterpretiert werden.
„Wenn du von dem Fehler eines Menschen verletzt wirst, besinne dich auf dich selbst und werde dir deiner eigenen Verfehlungen bewusst. Dann wirst du deinen Zorn vergessen.“ Mit diesem Zitat des antiken Philosophen Epiktet auf ihrem Twitter-Account heizte Demi Moore am 23.September die ohnehin schon länger schwelende Diskussion über den Zustand ihrer Ehe erneut an. Schon vergangenes Jahr hatte das „Star Magazine“ über einen Seitensprung von Kutcher berichtet – eine 21-Jährige hatte behauptet, einen One-Night-Stand mit dem Schauspieler gehabt zu haben. Der dementierte damals auf Twitter heftig und griff das Heft frontal an: „Ihr könnt euch nicht hinter der Pressefreiheit verstecken, wenn ihr Geschichten erfindet.“
Und nun das – ausgerechnet an ihrem sechsten Hochzeitstag soll Kutcher (wieder einmal?) fremdgegangen sein, und wieder berichtete „Star Magazine“ darüber. Diesmal soll es eine 23-jährige Blondine gewesen sein, mit der Kutcher umtriebig gewesen sein soll. Und es werden auch gleich weitere Indizien für eine Trennung orakelt. Dass die beiden Schauspieler etwa schon seit längerer Zeit nicht mehr gemeinsam gesehen wurden – zuletzt im August. Dass sie kein Wort darüber verlor, wie ihr die erste Folge von „Two and a Half Men“ gefiel, die Mitte September ausgestrahlt wurde. Und schließlich wird im „Star Magazine“ auch noch ein namentlich nicht genannter Insider damit zitiert, dass der 33-Jährige und seine um 15 Jahre ältere Frau ohnehin schon seit Längeren getrennt leben und eine Scheidung längst beschlossene Sache sei.
Licht in den orakelnden Nebel könnte vor allem eines bringen – ein offizielles Statement der beiden Betroffenen. Allein, die verhalten sich zurückhaltend und geben keine Kommentare ab. Bei der Premiere ihres Regiedebüts, des Episodenfilms „Five“, wurde Moore auf dem roten Teppich sogar ausgebuht, weil sie keinerlei Interviews gab und nicht aus der Nähe fotografiert werden wollte. Ein weiteres Indiz für Eheprobleme? Eine mögliche Variante. In der Gerüchteküche kursierte aber auch die Version einer missglückten Schönheitsoperation, die Moore nicht allzu offenkundig zeigen wollte. Genug Potenzial zum Orakeln, allemal.
Und auch Ashton Kutcher ließ am Donnerstag mit einer Twitter-Meldung ausreichend Spielraum für Interpretationen: Er verlinkte zu einem Song der Hip-Hop-Gruppe „Public Enemy“ mit dem Titel „Don't believe the Hype“. Das Orakel darf also noch weiter vor sich hin dampfen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2011)