Amazon vertreibt das neue Tablet und den eBook-Reader Kindle Touch nur in den USA. Beobachter vermuten mangelnde Lizenzen dahinter. Der Anbieter selbst hüllt sich in Schweigen.
Amazons Ankündigung eines eigenen Tablets und neuer eBook-Reader hat für großes Aufsehen gesorgt. Für Interessenten außerhalb der USA kommt aber die große Ernüchterung. Amazon vertreibt das Kindle Fire und den Kinde Touch ausschließlich in den Vereinigten Staaten. In Österreich gibt es lediglich das Basismodell, den geschrumpften Kindle ohne Touch-Funktion und ohne Tastatur. Amazons Entscheidung, außerhalb der USA auf das Weihnachtsgeschäft zu verzichten, sorgt für zahlreiche Spekulationen. So vermutet TechCrunch dahinter schlicht und einfach fehlende Inhalte. Die Verhandlungen mit Rechteinhabern in Europa seien noch nicht weit genug fortgeschritten, wird spekuliert.
Keine Lizenzen für Filme und Serien in Europa
Das würde die Absenz des Kindle Fire vom europäischen Markt erklären. Amazon hat bisher seine Produkte immer ohne Abstriche auf den Markt geworfen. Vermutlich will der Anbieter nicht einfach nur eine abgespeckte Version seines Tablets hierzulande veröffentlichen. Ohne zu Streaming-Angebote für Filme und Serien verliert das Gerät stark an Reiz. Traditionell sind derartige Dienste eher in den USA angesiedelt. Die vielschichtige europäische Urheberrechtssituation mit ihren unzähligen Rechteverwertern, die alle ein Stück vom Lizenzkuchen wollen, macht Verhandlungen diesbezüglich sehr mühsam.
Dort stapeln sich alle Inhalte wie Bücher, Apps, Filme oder Bilder in einem buten Durcheinander. Der Nutzer kann die angezeigten Inhalte auf die einzelnen Kategorien reduzieren, um einen besseren Überblick zu bekommen. (c) EPA (JUSTIN LANE)
Stolz ist Amazon auf den Browser "Silk", den der Händler selbst entwickelt hat. Er soll vor allem schneller sein, als die Konkurrenz. Im Unterschied zu Apples Safari am iPad, unterstützt Silk auch Flash-Inhalte. (c) AP (Mark Lennihan)
Zu Gunsten des Preises hat der Hersteller auch auf Kamera und Mikrofon verzichtet. Gut machen will Amazon diese Hardware-Abstriche mit inhaltlichen Zugeständnissen. So ist geplant, täglich eine kostenpflichtige App gratis anzubieten. (c) AP (Mark Lennihan)
Nur Branchengrößen wie Apple, Microsoft und Sony haben bisher Internet-Streaming-Angebote zustande gebracht - und das auch nur mit Einschränkungen. So sind TV-Serien nach wie vor nicht verfügbar. Das Filmportfolio wird bei den Anbietern zwar laufend ausgeweitet, ist aber im Vergleich zu den Diensten in den USA geradezu mickrig. Deren größter Anbieter Netflix ist in Europa noch überhaupt nicht verfügbar. Obwohl die EU mit 501 Millionen Einwohnern mehr potenzielle Kunden als die USA mit 311 Millionen bietet, gibt es hier 27 verschiedene Rechtsräume im Vergleich zu einem einzigen jenseits des Atlantik.
Nur Basismodell für Österreich
Das Inhaltsproblem erklärt aber nicht die Absenz des Kindle Touch vom europäischen Markt. Das Buchangebot ist identisch mit den bisher verfügbaren Kindles und dem neuen kompakten, erstmals deutschsprachigen Kindle. Bedarf würde auch hierzulande bestehen. "Ich wollte schon vorbestellen, hab es dann aber gelassen", berichtet ein DiePresse.com-Leser. Auf die Problematik angesprochen, reagierte das Unternehmen lediglich mit folgendem Satz: "Amazon hat bisher keine Ankündigung dazu gemacht, wann Kindle Touch oder Kindle Fire verfügbar sein werden."
Mit einem Kampfpreis von 199 Dollar und einem gigantischen Inhaltsangebot tritt Amazon den Kampf gegen Apple an. Gleichzeitig wurde der eBook-Reader Kindle Touch für 99 Dollar vorgestellt.
Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.