Günther Dueck: „Das E-Mobil muss zum Lustobjekt werden“

(c) Dapd (Torsten Silz)
  • Drucken

Der Staat fördert die E-Mobilität mit 80 Mio. Euro. Mehr als ein paar hundert Elektroautos sind bisher nicht unterwegs. Experten fordern mehr Innovationen. Der grüne Chorherr sieht die Zukunft bei Elektrorädern.

Fuschl. 209.333 Elektroautos sollen sich im Jahr 2020 über Österreichs Straßen bewegen – so will es zumindest eine Studie des Umweltbundesamts. Zur Jahresmitte waren hierzulande allerdings noch nicht einmal tausend derartige Fahrzeuge unterwegs. „Der erste Hype ist schon vorbei“, resümmierte Reinhard Würger, Chef der Fahrzeugsparte bei Raiffeisen-Leasing, auf der Verbund-Energiekonferenz in Fuschl.

Der erste Schwung sei vorwiegend von Firmen gekommen. Aber auch die hätten nicht die Flotte umgestellt, sondern lediglich einzelne „Elektroautos als Feigenblatt“ bestellt, pflichtete Michael Röck von Denzel e-Drive bei.

Österreicher noch nicht bereit?

Reichen also die 80 Millionen Euro an Förderung, die der Staat als Starthilfe für die mobile Zukunft in die Hand nimmt, nicht aus? Sind gut 3000 Ladestationen im Land zu wenig, dauert das Stromtanken einfach zu lange? Oder sind die Österreicher noch nicht bereit, allein für das gute Gefühl ein wenig klimaschonender unterwegs zu sein, beim Autokauf deutlich tiefer in die Tasche zu greifen?

Während sich Röck sicher ist, dass letztlich die Förderlandschaft entscheiden wird, wie es weitergeht, warnte der grüne Kommunalpolitiker Christoph Chorherr vor allzu großem Anschubdrang: „Die Politik tut gut daran, nicht zu fördern.“

Der Staat könne zwar helfen, die nötige Infrastruktur bereitzustellen, das grundlegende Problem, warum bei Elektroautos nichts weitergehe, sieht er aber anderswo: „Wir gehen einen Irrweg, wenn wir glauben, dass wir einfach das Auto so nehmen, wie wir es kennen, und den Benzinmotor mit einem Elektromotor ersetzen können.“

Die derzeitigen Batterien seien einfach nicht in der Lage, 1,5 Tonnen lange genug zu bewegen, um mit konventionellen Autos zu konkurrieren. Die Reichweite einer Lithium-Ionen-Batterie liegt bei etwa 150 Kilometern.

„Die Zukunft der E-Mobilität ist nicht das Auto“, sagte Chorherr und verweist auf starke Zuwachsraten bei Elektrorädern und anderen leichteren Gefährten mit Stromantrieb.

Auch Günther Dueck, der ehemalige Cheftechnologe bei IBM, sieht die Autoindustrie unter Zugzwang. Was die Autokonzerne bisher bei Elektroautos leisten, sei noch „trivial“. Das einzig Anspruchsvolle sei die Batterie – und die werde ohnedies zugekauft. Statt nur trocken mit CO2-Einsparungen zu werben, solle die Industrie endlich stärker darauf setzen, was die Kunden tatsächlich interessiere.

Ein Betriebssystem fürs Auto

„Es wäre höchste Zeit, dass man ein Betriebssystem für das Auto baut“, sagt Dueck im Gespräch mit der „Presse“. In seiner Vision würde erst ein voll vernetztes Elektroauto mit Features wie einem eingebauten Kühlschrank oder einer Espressomaschine das Gefährt zu einem „Lustobjekt“ machen. Stattdessen, mahnt er, warte sowohl die Automobil- als auch die Stromindustrie ab, bis die Innovationen von SoftwareKonzernen kommen.

Die französische Elektromobilitätsexpertin Christine Tissot sieht das als frühere Renault-Managerin naturgemäß anders. „Die Autokonzerne wollen die E-Mobilität“, betonte sie, stünden aber vor etlichen Hürden. Vor allem von der Energiewirtschaft forderte sie „mehr Dynamik und Vorpreschen“, wenn es darum gehe, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und Standards bei den Schnittstellen zu schaffen. Klaffen die technischen Standards weiter so stark auseinander wie derzeit, warnte sie, dann drohen bei der E-Mobilität Insellösungen.

Es sei sinnlos, jetzt schon in teure Gleichstrom-Schnellladestationen zu investieren. Wichtig sei, dass die potenziellen Fahrer eines Elektromobils eine gut zugängliche Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum oder am Arbeitsplatz vorfinden.

Der Strom wird nicht ausgehen

Wie immer Elektrofahrzeuge 2020 auch aussehen werden, zumindest der Strom wird ihnen in Österreich nicht ausgehen, beruhigte Verbund-Experte Wolfgang Pell. Selbst wenn dann ein Fünftel der erwarteten 200.000 Elektrovehikel gleichzeitig zum Aufladen angehängt seien, brauche das nicht mehr als 350 Megawatt Leistung: „Das ist das Kraftwerk Reißeck mit einer Pumpe.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.