Let's make money: Bärenmarkt und Solaraktien

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Lets make money Baerenmarkt(c) REUTERS (KACPER PEMPEL)
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Die Börse ist damit zu einem höllisch gefährlichen Ort für jene Privatanleger geworden. Warum eine Bärenmarktrallye in nächster Zeit nicht ausgeschlossen ist und Solaraktien vorerst strikt gemieden werden sollten.

Adrenalin-Junkies sind zur Zeit mit Investitionen in Werte des österreichischen ATX oder des deutschen Dax gut bedient: 10 Prozent auf oder ab im Wochenverlauf und Kursschwankungen um deutlich mehr als 10 Prozent im Tagesverlauf bei Einzelwerten – solche nervenzerfetzenden Kursschwankungen sieht man an der Börse nicht alle Tage.

Eine derartige Volatilität verheißt natürlich nichts Gutes: Sie ist das Zeichen dafür, dass auch die Profis nicht recht wissen, wohin die Reise geht. Und deshalb auf jede noch so kleine Nachricht, egal ob positiv oder negativ, sofort kursbewegend reagieren.

Die Börse ist damit zu einem höllisch gefährlichen Ort für jene Privatanleger geworden, die nicht den ganzen Tag vor Kurs-Schirmen verbringen und Positionen hin- und herschieben können. Die hier seit Wochen vorzufindende Empfehlung bleibt also aufrecht: Man muss nicht immer in Aktien investiert sein. Manchmal ist es viel ertragreicher, an der Seitenlinie auf die richtige Chance zu warten.

Anleger mit sehr langem Anlagehorizont können sich jetzt durchaus auf eine längere Wartezeit einstellen. Es ist nicht wirklich abzusehen, was den Aktienmarkt heuer noch signifikant drehen könnte.

Wer sich allerdings zutraut, Zwischenaufschwünge, die mehr als ein paar Tage dauern, „mitzunehmen“, für den könnte sich möglicherweise bald eine Gelegenheit auftun: Die Kurslinien des deutschen Dax und des amerikanischen Dow Jones (leider nicht die des heimischen ATX) haben parallel ein wunderschönes Doppeltief ausgeformt. Das entsteht, wenn der Kurs nach oben abdreht, noch einmal zurückkommt und exakt am vorigen Wendepunkt noch einmal dreht. Dieser „W“-förmige Kursverlauf gilt als eine der wirkungsvollsten Umkehrformationen. Umso mehr, je schöner der Kurs das „W“ nachzeichnet.

Weil der übergordnete Abwärtstrend intakt ist, kann das noch nicht die große Trendwende am Aktienmarkt sein. Aber es könnte den Auftakt für eine nette „Bärenmarktrallye“ bilden. Voraussetzung ist freilich, dass die Indizes nicht mehr allzu weit zurückkommen, der Dax also beispielsweise nicht deutlich unter 5400 fällt.

Wir bleiben hier stark im Konjunktiv, weil die Charttechnik derzeit bei sehr kurzfristigen Veranlagungen gut brauchbar ist, mittelfristig in dieser Krisensitutation aber von volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten überlagert wird. Ein falscher Satz eines EZB-Bankers, eine schlechte Konjunkturnachricht – und schon ist der schönsten Bärenmarktrallye das Licht wieder ausgeblasen.

Trotzdem könnte es ratsam sein, Mittel für den kurzfristigen Wiedereinstieg parat zu halten. Die sollten wirklich kurzfristig verfügbar sein, womit Monatsgeld (derzeit um die 1,6 Prozent Verzinsung) und mehrmonatig gebundenes Festgeld (derzeit bis ungefähr 2,2 Prozent) dafür also eher ausfallen.

Für täglich verfügbares Geld werden laut „Bankenrechner.at“ derzeit bis maximal 2,8 Prozent bezahlt, wobei alles, was über 1,9 Prozent liegt, mit starken Einschränkungen verbunden ist. Es gilt etwa nur für Neukunden bei Ing-Diba oder für Neukunden, die auch noch ein Wertpapierdepot eröffnen, bei direktanlage.at.

Bei der derzeitigen Inflation ist man selbst da weit von Kapitalerhalt entfernt. Freilich: Jetzt, wo auch die Rohstoff- und Edelmetallpreise im allgemeinen Sommerschlussverkauf dahinschmelzen, ist Kapitalerhalt eine schwierige Sache. Und es geht in dem Fall ja darum, Pulver für eine möglicherweise ertragreiche Aktion trocken zu halten.

Es empfiehlt sich jedenfalls, schon jetzt auf die Suche nach Aktien zu gehen, die in einer Bärenmarktrallye Chancen hätten. Zwei Bereiche sollten Privatanleger jetzt aber jedenfalls strikt meiden: Finanzwerte und Aktien aus der Solarbranche. Zwar werden in einer Gegenbewegung wohl auch die nach oben gerissen werden, aber bei Finanzwerten ist das Kursrisiko einfach zu groß. Und die Solarbranche, die nach Fukushima noch so vielversprechend ausgeschaut hatte, ist in einen ausgesprochenen Todesstrudel geschlittert: Da sind die Kapazitäten weltweit derart aufgeblasen worden, dass man erst die unvermeidliche Insolvenzwelle (die eher europäische und amerikanische als chinesische Produzenten treffen wird) abwarten sollte, bevor man sich neu positioniert. Denn Insolvenz bedeutet für Aktionäre Totalverlust. Und dieses Risiko sollte man sich doch eher ersparen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2011)

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