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Ein Kampf unter großen deutschen Fischen

Kann der Verlag Axel Springer die WAZschlucken? Und was hat die Bieterschlacht der Medienriesen mit Österreich zu tun?

Die Summe ist selbst für deutsche Verhältnisse groß; Mathias Döpfner, Chef des in manchen Sparten fast monopolistischen Springer-Konzerns, hat einen mächtigen Konkurrenten beunruhigt: 1,4 Mrd. Euro bot er laut Manager-Magazin für die Firmengruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Die WAZ in Essen ist ein regionaler Riese; mit ihren Zeitungen macht sie einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro (Springers Umsatz 2010: 2,9 Mrd. Euro). Solch eine Einverleibung würde die Zeitungslandschaft radikal ändern, Springers Vormacht ausbauen. Aber eine Gesamtübernahme ist wegen kartellrechtlicher Bedenken nicht wahrscheinlich.

Interessanter scheint das Vorspiel zu diesem Angebot, das auch den österreichischen Markt betrifft. Petra Grotkamp, die 17 Prozent der WAZ-Anteile hält und sich massiv gegen Springer wehrt, hat ihrerseits Anfang September der Familie Brost für deren Hälfteanteil an der Firma 470 Mio. Euro geboten. Um diese aufzubringen, könnte die WAZwiederum ihre 50 Prozent an der Kronen Zeitungabstoßen. Dafür wollten die Essener schon von Hälfteeigner Dichand senior mindestens 200 Mio. Euro haben. Geboten wurde aber bisher auch von dessen Erben offenbar deutlich weniger.

Springer hat auch ein Detailangebot für die WAZ-Anteile an der Mediaprint gemacht: 200 Mio. Euro. (Ist der Kurier so wenig wert?) Rechtliche Bedenken dürfte es keine geben. Monopole werden hierzulande ignoriert, wie die Lex Mediaprint 1987 zeigte. Beim Buckeln vorm Boulevard war das Rückgrat von SPÖ und ÖVP immer flexibel.

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2011)