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Medien: Bieterschlacht um WAZ

Medien Bieterschlacht
WAZ(c) Dapd (Volker Hartmann)
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Der Axel-Springer-Verlag greift nach der "WAZ". Medienberichten zufolge ist Springer vor allem an "Krone" und Kurier“ interessiert. EuroWAZ-Großaktionärin Grotkamp wies das Angebot zurück.

Der deutsche Axel-Springer-Verlag greift nach den Mediaprint-Anteilen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) an der „Kronen Zeitung“ und dem „Kurier“, stößt aber auf vehementen Widerstand der WAZ-Großaktionärin Petra Grotkamp. Springer geht davon aus, dass der Mediaprint-Verlag „bei Umsatzerlösen 2011 von rund 460 Millionen Euro eine nachhaltige Ebitda-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen, Anm. der Red.) von zehn bis 15 Prozent erwirtschaften kann. Auf dieser Basis wären wir bereit, für die rund 50 Prozent der WAZ an ,Krone‘ und ,Kurier‘ insgesamt 200 Millionen Euro (debt/cash free, ohne Schulden) zu bezahlen“, zitiert das deutsche „Manager-Magazin“ aus einem fünfseitigen Springer-Anbot. „Die Bewertung der gesamten WAZ-Mediengruppe sähen wir bei ca. 1,4 Milliarden Euro“, heißt es weiter. Die Antwort von Grotkamp ließ allerdings nicht lange auf sich warten. „Frau Petra Grotkamp weist das unaufgeforderte Angebot der Axel Springer AG nachdrücklich zurück“, heißt es in einer Erklärung ihres Rechtsvertreters. Die angefragten Geschäftsbereiche stünden „nicht zur Disposition“. Die im Angebot enthaltenen Bewertungen „sind unzutreffend“. Des Weiteren gäbe es „erhebliche kartellrechtliche Bedenken“. Vor einem Monat hatte Petra Grotkamp für 50 Prozent an der Mediengruppe knapp eine halbe Milliarde Euro geboten.

In der nun drohenden Bieterschlacht geht es um Deutschlands drittgrößten Zeitungskonzern. Die WAZ, auch der drittgrößte Regionalzeitungsverlag in Europa, ist seit 1987 in Österreich engagiert. Das Unternehmen hat 15.000 Mitarbeiter, der derzeitige Umsatz beträgt 1,1 Mrd. Euro und ist damit deutlich niedriger als die Springer-Bewertung. Medienberichten zufolge ist Springer („Bild“, „Welt“ etc.) vor allem an „Krone“ und Kurier“ interessiert, die beiden Blätter würden gut zum Zeitungs-Joint-Venture in Osteuropa passen, das die Berliner zusammen mit dem Schweizer Ringier-Verlag betreiben. Durch eine Zusammenlegung ließen sich Kosten sparen. Auch Programmzeitschriften und Online-Ableger der WAZ seien interessant.

Springer hat zuletzt vor allem sein Engagement im Internet und im Ausland ausgebaut – nicht auf dem hart umkämpften deutschen Zeitungsmarkt. Eine Offerte für die gesamte WAZ-Gruppe gilt als eher unwahrscheinlich, weil die Kartellwächter solch eine Fusion kaum genehmigen würden. An der Börse kam die Nachricht nicht gut an. Die Springer-Aktie baute ihren Verlust aus und schloss 2,35 Prozent tiefer.


Was sagen die Dichand-Erben? In Wien sieht man den Entscheidungen in der Essener Konzernzentrale gelassen entgegen. „Noch ist alles Spekulation, warten wir ein paar Wochen ab“, meint ein Brancheninsider. Der jahrelange Disput mit der Familie Dichand um die Macht in der „Krone“ sei ein Hemmschuh bei einem etwaigen Verkauf. Während Südosteuropa für die WAZ mehr oder weniger erledigt sei, gelte dies für die österreichischen Beteiligungen wohl nicht. Springer wolle bloß den Konkurrenten WAZ in einer schwierigen Phase lähmen, schreibt der „Spiegel“. bp/ag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2011)