Ex-Schüleraktivist Igor Mitschka studiert in Yale "Liberal Arts". Dort gefallen ihm inhaltliche Breite, intensive Betreuung und Internationalität. Ein Porträt.
Dass Igor Mitschka, heute 19, sich ein ruhiges Studentenleben machen würde, war nicht zu erwarten. Seit er elf war, hatte er sich vielfach engagiert: zuerst als Anführer der „Coolen Schule“. 2003 hatte er den Schülerverein gegründet, der vor allem mehr Mitsprache von Schülern im Schulalltag bringen sollte. Aktiv war und ist Mitschka auch heute noch als Chef des Jugendfachbeirats der Österreichischen Unesco-Kommission. Auf die Matura am BG Wien XII, Erlgasse – dort war Mitschka auch jahrelang Schulsprecher – folgten der Zivildienst im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in Wien bis Ende März, danach ein europäischer Freiwilligendienst in Belgrad.
Und jetzt also Yale: An der amerikanischen Elite-Uni aus dem Club der „Ivy League“ – der acht führenden US-Unis – belegt Mitschka seit diesem Wintersemester, was dort „Liberal Arts“ genannt wird: ein inhaltlich breites Undergraduate-Studium, das nach dem Wunsch Mitschkas in vier Jahren in ein spezielleres „Major“-Studium der Politikwissenschaft münden soll.
An der Elite-Uni in New Haven, Connecticut, widmet er sich nun Themen wie der Nahostpolitik, Geschlecht und Gesellschaft, Islam in der amerikanischen Vorstellung sowie einem „Writing Seminar“ darüber, was globales Handeln heißt. Aufwand im ersten Semester: vier Kurse, die ein- bis zweimal in der Woche stattfinden. Vier von 36 „Credits“ bis zum Titel des Bachelor wird Mitschka auf diese Weise im ersten Semester absolvieren.
Ob denn der allgemeine Eindruck stimme, dass in Yale praktisch rund um die Uhr gelernt werden müsse? Mitschka zu „UniLive“: „Am Anfang war es nicht so hart, jetzt wird es dichter.“ Sein persönlicher Stundenplan: um 8 Uhr aufstehen, untertags auch Nebenjobs erledigen (zehn Wochenstunden in der Bibliothek und am Deutschinstitut) und soziale Kontakte pflegen unter vielen Nationen – das gefällt ihm besonders. So wie sein Engagement bei den „College Democrats“.
Lesen bis tief in die Nacht
Aber auch damit rechnet Mitschka: „In der Nacht muss ich viel lesen.“ Denn das weiß der 19-Jährige schon: Für jeden seiner vier Kurse muss er mindestens ein Buch pro Woche lesen – und je etwa zwei Arbeiten bis Weihnachten schreiben. Prüfungen bleiben ihm im ersten Semester erspart. Mitschka freut sich erst einmal über das große Angebot, „hier bei etablierten Professoren zu lernen, die viel Wert auf Kontakt zu ihren Studenten legen“.
Grund genug für Mitschka, sich an der US-Elite-Uni zu bewerben. An österreichischen Unis ortet er schlechte Betreuungsverhältnisse und dadurch „wenig Diskussionsmöglichkeit“. Unter anderem sein Notendurchschnitt von 1,0 bei der Matura hat Mitschka den Weg in die USA geebnet, sogar ein Stipendium hat er für Yale bekommen. An Einsatz will er es jetzt nicht fehlen lassen: „Ich arbeite viel, habe Ehrgeiz, bin aber auch ungeduldig“, sagt Mitschka über sich. Kein schlechter Mix, wenn man sich unter den Besten bewähren will.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2011)