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Interreligiöses Zentrum in Wien sorgt für Kritik

Grüne kritisieren interreligiöses Zentrum in Wien
Alev Korun(c) APA/ROLAND SCHLAGER (Roland Schlager)

Der Ministerrat gibt grünes Licht für ein interreligiöses Dialogzentrum, an dem auch Saudi-Arabien beteiligt ist. "Ein schlechter Scherz", finden die Grünen.

Der Ministerrat hat am Dienstag den Weg für die Gründung eines interreligiösen Dialogzentrums in Wien frei gemacht. VP-Außenminister Michael Spindelegger wurde ermächtigt, die Verträge für das gemeinsame Projekt mit Spanien und Saudi-Arabien zu unterfertigen.

Grüne und die Initiative Liberaler Muslime Österreichs (ILMÖ) übten scharfe Kritik. Die Grüne Abgeordnete Alev Korun sprach von einem "schlechten Scherz". Ausgerechnet Saudi-Arabien, wo auf "Abfall vom Islam" die Todesstrafe stehe, solle einen internationalen interreligiösen Dialog fördern wollen, so Korun in einer Aussendung. In dem Land seien schließlich alle anderen Religionen "außer dem ultrakonservativen und fundamentalistischen Wahabismus" verboten.

"Zentrum verhindert Integration der Muslime"

Die ILMÖ warnte, die Einrichtung werde ein "wahabitisches Zentrum" sein, das "die Integration der Muslime durch eine fundamentalistische-konservative Islamauslegung verhindert". Der im 18. Jahrhundert gegründete Wahabismus gilt als besonders konservativ-puritanische Auslegung des Islam.

Spindelegger erklärte hingegen, mit dem Zentrum könne sich Wien als Plattform und Drehscheibe für Dialog und Frieden präsentieren. Ziel sei es, Konflikten und Kriegen vorzeugen. Veranstaltet werden sollen Konferenzen, Seminare und Fortbildungsveranstaltungen. Kosten für die Republik entstehen durch das Zentrum nicht.

Das Zentrum wird in einem Palais in der Wiener Innenstadt angesiedelt und soll noch heuer mit 60 Mitarbeitern seine Tätigkeit beginnen.

(APA)