Seine letzte Firma verkaufte Constantin Bisanz um 150 Mio. Euro an eBay. Geld für Gründer gibt es genug, sagt der Österreicher. Wenn man bereit ist, über die Grenze zu schauen.
Die Presse: Sie haben zuletzt Ihren Online-Shopping-Club brands4friends nur drei Jahre nach dem Start um 150 Mio. Euro an eBay verkauft, um danach als einer der ersten Menschen die Beringstraße am Kiteboard zu queren. Ist es jetzt wieder an der Zeit, eine Firma zu gründen, um sich diesen Spaß zu finanzieren?
Constantin Bisanz: Natürlich. Kitesurfen ist zwar meine Leidenschaft, aber es macht mir genauso viel Spaß, Unternehmen aufzubauen. Eine Gründung ist wie eine Rakete, die startet. Danach kann man schon süchtig werden. Seit einer Woche bin ich von der Expedition zurück und habe seither schon zwei Start-ups investiert.
Sie sind ja von Kindesbeinen an als Unternehmer tätig, haben bisher fünf Firmen aufgebaut. Braucht man dazu auch eine gewisse Veranlagung?
Mir ist das unternehmerische Denken schon ein wenig in die Wiege gelegt worden. Mein Onkel war einer der größten privaten Müllentsorger Österreichs. Der Durchbruch kam bei mir im Studium. Wir haben damals Online-Spiele für Hilfsorganisationen entwickelt. Da wurde ein US-Investor auf uns aufmerksam und hat uns nach San Francisco geholt. Das war 2001, genau zur Zeit der Internet-Hypes, als alle Dot-coms in die Höhe geschossen sind. Auch das Platzen der Blase haben wir voll miterlebt.
Mit Verlust?
Natürlich, auch unser Geschäft war auf Online-Werbung aufgebaut, so wie fast alle Dot-coms, die damals pleitegingen.
Die teils wahnwitzigen Bewertungen, mit denen Social-Media-Firmen an die Börse drängen, erinnern viele Beobachter an diese Zeit. Steuern wir auf eine zweite Tech-Blase zu?
Ich halte es zwar prinzipiell für gut, dass man das immer wieder thematisiert. Im Vergleich zu der Blase, die ich damals miterlebt habe, sind die Firmen heute aber ganz anders aufgestellt. Natürlich gibt es immer Hypes, aber die Leute sind so weit sensibilisiert, dass sie genauer hinschauen. Die meisten Konzepte zielen heute ohnedies schon auf Gewinn ab. Denn Investoren interessieren keine Nutzerzahlen, sondern die Profitabilität. In der Tech-Blase damals war es pervers. Da wurde nur gefragt, wie viele Seitenaufrufe eine Firma im Internet hatte, und darauf wurden dann Bewertungen aufgebaut. Das ist heute nicht mehr so. Ich glaube nicht an diese große Blase, weil es zu viele gute Geschäftsmodelle gibt, die schnell wachsen.
Die Blasen zeugen ja auch von der Angst der Investoren, das nächste Google zu verpassen. In welchem Bereich vermuten Sie denn das oft gesuchte „next big thing“?
Große Umbrüche kommen immer in Wellen. Das ist ähnlich wie beim Wellenreiten. Ich habe nach der ersten Blase geschaut, wer überlebt hat. Da gab es eine Welle der Online-Markplätze, auf die ich aufgesprungen und eine unbesetzte Nische für Nutzfahrzeuge besetzt habe. Nach fünf Jahren waren wir Weltmarktführer und konnten das Unternehmen verkaufen. Vier Stunden später habe ich brands4friends gegründet, ein Beispiel für die nächste Welle der Online-Shopping-Clubs. Jetzt erleben wir die Welle der Social Networks. Für die Zukunft setze ich stark auf Bildung und Mobile.
In Österreich klagen Gründer oft, dass es zwar in der Anfangsphase viele Förderungen gibt, für den nächsten Schritt aber die Investorenszene fehlt.
Ich kann nur immer wieder sagen: Es gibt viel mehr Geld als gute Projekte. Ich habe schon 15 Finanzierungsrunden mitgemacht und kann sagen: Das Geld liegt meist nicht gut angelegt herum und will investiert werden. Fonds haben ja auch einen gewissen Anlagedruck, müssen eine bestimmte Rendite bringen. Deswegen kann ich nur raten, besser gleich ein großes Projekt zu machen, das auch international ausgerollt werden kann. Denn der Aufwand für die Fonds ist der gleiche, egal, ob das Projekt winzig oder global konzipiert ist. Da investiert er natürlich seine Zeit lieber in ein Projekt, in das er auch mehr Geld stecken kann.
Der erste Schritt für Start-ups ist also immer noch hinaus aus Österreich?
Nein, man kann auch aus Österreich heraus sehr erfolgreich sein. Aber man muss ein Konzept haben, das international funktioniert. Der österreichische Markt ist einfach zu klein, um ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen.
Viele Gründer fürchten, mit jedem Investor weiter Einfluss zu verlieren, bis sie ihr Projekt kaum noch erkennen.
Geld ist zwar wichtig, aber wichtiger ist es, dass die Investoren ein Netzwerk mitbringen und für Rückenwind sorgen, ohne zu nerven. Da muss man sich genau überlegen, mit wem man sich ins Bett legt. Ich würde auf jeden Fall mit mindestens drei Gründern reden, die mit dem potenziellen Investor bis zum Exit zusammengearbeitet haben. Das ist wichtig, denn am Anfang sind sie alle nett. Jeder verspricht alles, kann alles, kennt jeden. Die Realität sieht dann oft anders aus. Das Zepter sollte der Gründer nie komplett aus der Hand geben.
Auf einen Blick
Constantin Bisanz hat in seinem Leben schon fünf Unternehmen gegründet. Anfang 2011 verkaufte der 37-Jährige seinen Online-Shopping-Club brands4friends um 150 Mio. Euro an eBay.
Zuletzt querte der Unternehmer Marke Richard Branson als einer der ersten Menschen die Beringstraße auf dem Kiteboard. Am Donnerstag spricht Bisanz auf der Start-up Week in Wien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2011)