Neun von zehn Start-ups sind ein Flop

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Heimische Start-ups sind zu klein und vertrauen zu stark auf die Heimat als Absatzmarkt. Nur ein Drittel der Antragsteller denke global und mehr als die Hälfte der Einreichungen sind Ein- bis Zwei-Mann-Projekte.

Wien/Auer. Wer heute in Österreich ein Internet- oder Mobile-Start-up gründet, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Wien, ist nicht älter als 30 Jahre jung, hat maximal zwei Geschäftspartner und keinerlei Erfahrung in dem, was er gerade vorhat.

So weit die Ergebnisse des „Internet Startup Genome Projects“, das vom heimischen Business-Angel-Fonds Speedinvest initiiert wurde. Drei Viertel aller Projekte, die seit Gründung des Fonds eingegangen sind, haben Menschen eingereicht, die noch nie in ihrem Leben etwas Vergleichbares gemacht haben. Mehr als die Hälfte der Einreichungen sind Ein- bis Zwei-Mann-Projekte. „Das ist zu klein“, sagt Oliver Holle, der als Chef von Speedinvest etliche Mio. Euro an Webfirmen zu vergeben hätte, die ihre ersten Schritte schon gegangen sind. „Es wird zu wenig geteilt und zusammengearbeitet.“

Start-ups müssten die Last auf mehrere Schultern verteilen – und vor allem nach Verbündeten aus der Branche suchen. Denn während drei Viertel aller Projekte von Newcomern vorgeschlagen werden, ist bei drei von vier Ideen, die auch finanziert und umgesetzt werden, zumindest ein Branchenveteran an Bord. Der Großteil der heimischen Start-ups kommt aus Wien gefolgt von Linz.

Gründer in der Zwickmühle

Die größten Hindernisse aus der Sicht von Holle: Nur ein Drittel der Antragsteller denke global. Auch erwartet er deutlich mehr Projekte im Bereich Mobile. Die Tatsache, dass über neunzig Prozent aller Start-ups letztlich floppen, stört ihn ebenso wenig, wie die kurze Zeitspanne, in der erfolgreiche Firmen verkauft werden. Er sieht Gründer in Österreich in einer Zwickmühle: Wer pleitegeht, gilt als Versager. Wer seine Firma rasch verkauft, hat die Nachrede, nur auf das schnelle Geld aus zu sein. Dabei fördere beides Innovationen. Bei der Start-up-Week in Wien treten diese Woche 50 aussichtsreiche Start-ups gegeneinander an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2011)

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