Der Weg zum Gebärdensprachendolmetscher

Welche Möglichkeiten es in Österreich gibt, zum Übersetzer für Gehörlose zu werden.

Die Österreichische Gebär densprache (ÖGS) ist eine Sprache, die von rund 10.000 Menschen als Erstsprache gebraucht wird. Und natürlich kann der Fall eintreten, dass ein Übersetzer gebraucht wird, der die Gebärdensprache für andere übersetzt - oder umgekehrt. Aber wie wird man eigentlich Dolmetscher für Gebärdensprache?

Auf akademischer Ebene gibt es österreichweit derzeit nur eine Möglichkeit, Gebärdensprachdolmetschen als Studium zu absolvieren. Am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft der Uni Graz ist es seit dem Wintersemester 2002/2003 möglich, Gebärdensprache in Kombination mit einer anderen Fremdsprache zu studieren - am häufigsten Englisch. Aber nicht nur Gebärdensprache wird unterrichtet, auch Sprachwissenschaft und Gebärdensprachkultur stehen auf dem Lehrplan. "Durch die eigene Kommunikation und die zum Teil stattfindende Isolation haben Gehörlose eigene Bräuche, eine eigene Kultur entwickelt", sagt Barbara Andree, Linguistin am Institut. Das Diplomstudium dauert zehn Semester, gliedert sich in drei Abschnitte und schließt mit dem Magistertitel ab. Detail am Rande: Der überwiegende Teil der Studierenden ist weiblich.

Eine weitere Möglichkeit, wenn auch ohne akademischen Abschluss, bietet die Fachausbildung Gebärdendolmetscher in Linz. Dieser Lehrgang dauert drei Jahre und schließt mit einem Zertifikat ab, das zum Ausüben des Dolmetschens berechtigt.

Schließlich bietet der Österreichische Dachverband der Gebärdendolmetscher berufsbegleitende Kurse an, die sich an jene richten, die schon Erfahrungen mit der Sprache der Gehörlosen haben. Das sind einerseits Kinder gehörloser Eltern aber auch Interessierte, die schon derartige Sprachkurse besucht haben. Angeboten werden diese unter anderem an Volkshochschulen oder Zentren für Gehörlose.

Ein weiterer Anbieter ist das Sprachenzentrum der Uni Wien. Hier können Anfänger und Fortgeschrittene in wöchentlichen Kursen während des Semesters oder bei Intensivkursen im Sommer die Gebärdensprache lernen. Und obwohl die Kurse für Studenten 220 Euro kosten (für Studienbehilfebezieher ist es mit 120 Euro billiger), ist der Andrang groß. "ÖGS ist unsere zweitstärkste Sprache", sagt Leiterin Sonja Winklbauer. Dolmetschen kann man danach allerdings noch nicht.

"Aber ein solcher Kurs ist oft ein erster Schritt", sagt Barbara Gerstbach, Obfrau des Dachverbands. Viele würden danach die berufsbegleitenden Kurse besuchen und die Berufseignungsprüfung, die seit 1998 Voraussetzung für das Arbeiten als Dolmetsch ist, ablegen. Derzeit gibt es in Österreich 64 zertifizierte Dolmetscher für Gehörlose.

Und die Chancen danach? Bedarf ist an vielen Stellen vorhanden, etwa als Begleiter bei Arzt- oder Behördenbesuchen, in Schulen oder auch bei Konferenzen und Kongressen. Allerdings arbeitet der Großteil auf freiberuflicher Basis, Fixanstellungen für Gebärdensprachendolmetscher sind selten.

www-gewi.uni-graz.at/uedowww.gehoerlos-ooe.atwww.oegsdv.at
www.univie.ac.at/sprachenzentrum


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