Probleme in Italien belasten auch die Bank Austria

(c) Dapd (Antonio Calanni)

Die Agentur Moody's senkt das Rating der größten Bank Österreichs, der Bank Austria. Beschluss war von der Börse erwartet worden. Bereits am Dienstag hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft.

Wien/Höll. Die Probleme in Italien haben Auswirkungen auf die größte Bank Österreichs, die Bank Austria: Die Ratingagentur Moody's stufte am Donnerstag die Langfrist-Bewertung der Wiener UniCredit-Tochter von „A1“ auf „A2“ herab. Die Aussichten seien negativ. „A2“ bedeutet, dass Anlagen nach wie vor sicher sind, falls keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen. Gemeint ist damit die Lage in Italien. Moody's senkte auch die Bonitätsnoten der Bank-Austria-Mutter UniCredit, der Bank Intesa Sanpaolo und von italienischen Staatskonzernen.

Zwar hat die Regierung in Rom keinen Einfluss auf die UniCredit-Geschäfte, doch die Bank ist mit 40 Mrd. Euro in italienischen Staatsanleihen investiert. Auf der Börse war der Beschluss der Ratingagentur erwartet worden. Die Aktie von UniCredit legte am Donnerstag um 0,6 Prozent auf 0,80 Euro zu.

 

UniCredit braucht Geld

Bereits am Dienstag hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Begründet wurde dies mit der wirtschaftlichen Unsicherheit und mit Zweifeln an der langfristigen Refinanzierbarkeit der Staatsschulden. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone sitzt auf einem Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro. Das entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – in der Eurozone ist nur Griechenland höher verschuldet.

Weder UniCredit noch Bank Austria kommentieren die Entscheidung von Moody's. Doch für den Finanzkonzern kommt die Herabstufung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Verschlechtert sich das Rating, verteuert sich die Geldaufnahme. Italienischen Medienberichten zufolge braucht die Bank mindestens drei bis vier Mrd. Euro. Die Bank will auch dies weder bestätigen noch dementieren.

 

Aktienkurs hat sich halbiert

Fest steht nur, dass Bankchef Federico Ghizzoni im November einen Plan zur Kapitalstärkung bekannt geben wird. Die Ausgabe von jungen Aktien dürfte aber wegen des niedrigen Börsenkurses schwierig werden. Seit April hat sich der Kurs der UniCredit-Aktie von 1,60 Euro auf 0,8 Euro halbiert.

Ghizzoni arbeitet hinter den Kulissen bereits an einem Alternativplan, der den Verkauf von Unternehmensbereichen vorsieht. In Italien halten sich Gerüchte, dass sich UniCredit von den lukrativen Töchtern in Polen und der Türkei trennen will. Das hätte auch Auswirkungen auf die Bank Austria, die innerhalb des Konzerns für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa zuständig ist. Doch Ghizzoni stellt einen Teilrückzug aus Osteuropa entschieden in Abrede.

In italienischen Medien machen auch Gerüchte über eine feindliche Übernahme die Runde. Im September sind mehrere chinesische Staatsfonds bei UniCredit eingestiegen. Ghizzoni glaubt aber, dass seine Bank unabhängig bleiben wird: „Der nervöse Markt schützt uns paradoxerweise vor feindlichen Übernahmen.“

Deutlich besser als der Mailänder Mutter geht es der Bank Austria und der deutschen HypoVereinsbank (HVB). Die beiden Töchter retteten im ersten Halbjahr das Konzernergebnis. UniCredit vermeldete einen Gewinn von 1,32 Mrd. Euro. Davon entfielen 640 Mio. Euro auf die Bank Austria und 1,3 Mrd. Euro auf die deutsche HVB. Demnach müssen in Italien massive Verluste angefallen sein. UniCredit wies damals das Ergebnis für Italien nicht aus.

Mit einem Sparkurs will Ghizzoni gegensteuern. Doch dieser wird jetzt aufgeweicht. Die Personalvertretung der italienischen UniCredit-Mitarbeiter sagte einen für kommenden Montag geplanten Streik ab. Denn das Institut signalisierte die Bereitschaft, Auslagerungspläne zurückzunehmen. Um Kosten zu senken, sollten ursprünglich administrative Bereiche an den Konzern Hewlett Packard veräußert werden. Die Belegschaft kündigte an, dagegen in Mailand, Rom und Palermo auf die Straße zu gehen.

 

Raiffeisen vor Kapitalerhöhung?

Nicht nur die italienische UniCredit, sondern auch die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) arbeitet an einer Kapitalstärkung. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten Analyse geht die US-Bank Citigroup davon aus, dass sich Raiffeisen bis Mitte des kommenden Jahres bis zu 2,6 Mrd. Euro von der Börse holen wird. RBI-Chef Herbert Stepic hat im August eine Kapitalerhöhung angekündigt, sich aber über das Volumen und den Zeitpunkt bedeckt gehalten.

Citigroup stufte die Raiffeisen-Aktie mit „Kaufen“ ein, reduzierte aber das Kursziel von 40 Euro auf 32 Euro. Am Donnerstag legte die Aktie im Mittagshandel um sechs Prozent auf 23,47 Euro zu. Die Amerikaner erhöhten zugleich das Anlagevotum für die Erste Bank von „Hold“ auf „Buy“ – mit einem Kursziel von 29 Euro. Am Donnerstag kostete die Aktie 19,85 Euro. Laut Citigroup sei die Erste Bank im Vergleich zu anderen Instituten in Zentral- und Osteuropa günstig bewertet.