Mit der traditionellen Zinsprognose endet das Alpbacher Finanzsymposium. Experten rechnen mit einer partiellen Rezession im ersten Halbjar 2012.
Mit der traditionellen Zins- und Währungsprognose geht das 25. Alpbacher Finanzsymposium am Freitag zu Ende. "Der Wetterumschwung ist die passende meteorologische Untermalung für die Präsentation", begrüßte der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz.
Auch die Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung haben sich eingetrübt, die Analysten sprachen von großer Unsicherheit auf den Märkten und einer möglichen Rezession.
Die Experten von acht in Österreich tätigen Banken und Finanzdienstleistern prognostizieren im Schnitt niedrigere Zinsen im Euroraum für kurzfristige Ausleihungen (3 Monate), der 10-Jahres-Zins im Euroraum werde hingegen steigen. Die Prognose vergleicht den Wert von 6. Oktober mit dem erwarteten Wert per Ende Juni 2012, der Erwartungshorizont läuft also rund neun Monate.
Die derzeitige schwierige Lage in Europa beschrieb die ÖVAG-Analystin Uta Pock: "An den Finanzmärkten herrscht eine angstvolle Erwartung vor einem dramatischen Ereignis, das führt zu Stillstand." Mittelfristig könne die Krise in Europa aber auch ein Katalysator sein, dass die EU mehr Wettbewerbsfähigkeit gewinne.
Der Analyst der Raiffeisen Bank International, Peter Brezinschek, sieht eine Entwicklung in Richtung einer partiellen Rezession in der ersten Jahreshälfte 2012. Was auf den Finanzmärkten derzeit passiere, werde auch in der Realwirtschaft spürbar. Das Geld fließe nicht in die Wirtschaft, sondern werde von den Banken aus Angst vor Risiko bei der EZB geparkt. Die Investitionen blieben in Warteposition.
"Lichtblick" privater Konsum nicht ausreichend
Der "Lichtblick" privater Konsum werde nicht ausreichen. Als Hoffnungsschimmer sieht der Raiffeisen-Analyst, dass von den Verantwortlichen eine Lösung für die Schuldenkrise gefunden wird, die einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte nicht im Weg steht.
Die deutsche Commerzbank prognostiziert für das vierte Quartal 2011 und das erste Quartal 2012 eine "technische Rezession" im Euro-Raum. Im zweiten Quartal 2012 werde es zu einer Stagnation, also Nullwachstum kommen, prognostiziert Analyst Christoph Rieger. Das Jahresende 2011 werde "sehr schwierig" werden, gibt er einen düsteren Ausblick für die nächsten Monate. Die Spannungen in Europa werden steigen, die Bereitschaft der Geberländer zu helfen werde abnehmen.
Unzufriedenheit mit Politik
Extrem unzufrieden mit dem Umgang der Politik mit der Schuldenkrise in der Eurozone zeigte sich der Analyst Johann Maurer von der Innovest Kapitalanlage AG. Die Beschlüsse vom Juli zu Griechenland seien immer noch nicht umgesetzt, Griechenland werde nun wohl einen Schuldenschnitt von 50 Prozent statt 20 Prozent brauchen. Der nächste Patient werde Italien sein, das im ersten Halbjahr 2012 Milliardenbeträge umschulden müsse. Der Euro werde daher zum Dollar schwächer werden, erwartet Maurer: "Europa und die USA sind zwei Schwache, aber einer schwächelt mehr als der andere."
(Ag.)