Eine Woche lang ritterten 50 junge Internetunternehmer aus ganz Europa in Wien um die Gunst von Investoren. Durchgesetzt hat sich bei der ersten Start-up Week letztlich Mysugr, ein Projekt aus Österreich.
Wien. So viel Laptop war noch nie im Haus der Industrie. Dort, wo seit über hundert Jahren mannshohe Bildnisse von Kaiser Franz Joseph und von den Größen der heimischen Industrie das Ambiente prägen, hielten am Donnerstagmorgen hunderte Jungunternehmer erst einmal eine Schweigeminute für den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs ab. Die Prioritäten auf dem Schwarzenbergplatz haben sich verschoben, zumindest in dieser Woche, in der Europas Internetszene das Haus für die erste Start-up Week in Wien geentert hatte.
Wien als Mekka der Gründer
Seit Montag warben 50 Internetunternehmer aus ganz Europa auf Einladung des Messeveranstalters Start Europe um die Gunst von Investoren. Ziel dieser als „Festival“ getarnten Mischung aus Konferenz und Wettbewerb war es, Wien als Brückenkopf zwischen Osteuropa und den Start-up-Metropolen London und Berlin zu etablieren.
Internetlegenden wie Stefan Glänzer (Gründer von Last.fm), Lars Hinrichs (Gründer von Xing) und der erste Skype-Investor Morten Lund gaben sich ebenfalls die Klinke in die Hand. Die wichtigste Botschaft an die Gründer: „Nein sagen können ist wichtig.“ So warnte Glänzer davor, sich den erstbesten Investor in die Arme zu werfen. „Schnelligkeit, Schweiß und Motivation“ seien sowieso Grundvoraussetzung für die jungen Gründer. Die Rahmenbedingungen in Europa seien so gut wie nie.
Etwas differenzierter sieht das Olliver Holle, Chef vom Business Angel Fonds SpeedInvest. In Österreich sei es zwar vergleichsweise leicht, mit Förderungen den ersten Schritt zu gehen, danach würden aber Investoren fehlen. Neun von zehn Start-ups überleben letztlich nicht. Knapp zehn Millionen Euro will Holle in junge Unternehmen aus der Branche investieren, die schon mehr als nur eine Idee vorzuweisen haben.
350 Millionen Diabetiker als Markt
Einen ersten Kandidaten hat er bei der Start-up Week schon gefunden: Das österreichische Unternehmen Mysugr konnte sich letztlich gegen 49 Rivalen durchsetzen. Die Idee hinter dem Siegerprojekt ist bestechend einfach: Frank Westermann, selbst Diabetiker, hat gemeinsam mit drei Freunden nach einem Weg gesucht, besser mit seiner Krankheit umzugehen.
Das Ergebnis ist Mysugr, eine Gesundheits-App für Smartphones, die auch den anderen 350 Millionen Diabetikern helfen soll. „Der Hauptnutzen für uns ist die Aufmerksamkeit, weil wir gerade auf Investorensuche sind“, sagt Westermann zur „Presse“. Noch heuer soll Mysugr in Österreich starten, nächstes Jahr in Deutschland. Auch die Start-up Week wird es 2012 wieder geben, versichert Andreas Tschas von Start Europe. „Nur in der Industriellenvereinigung wird es uns dann wohl zu eng werden.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2011)